Öffentlich Rechtliches Nachrichten Dilemma beim G20

G20 Live

Bloß nicht nass werden

Wer das Hamburger G20-Chaos in Echtzeit erleben wollte, musste auf die Straße gehen, oder im Internet Soziale Netzwerke wie YouTube oder Facebook nach Live gestreamten Videos durchsuchen. Die meist kommentarlosen Video-Live-Berichte zeigten „non Stop“ aus verschiedenen Blickwinkeln das Geschehen rund um die Protestmärsche. Dass das kein Job für Zuckerpüppchen ist wurde schnell klar. Einige Male wurden die Reporter von der einen Seite nass gespritzt und von der anderen Seite angespuckt. Aufs übelste verbal angegriffen, oder sogar bedroht und körperlich angegangen, berichteten sie tapfer weiter. Wenn es zu aggressiv wurde, zogen sie sich zurück, aber nur, um von einer neuen Position aus weiter zu berichten. Wer eine schnelle Internetleitung hat und mit Browser und Suchmaschinen umgehen kann, konnte so sein eigenes Programm zusammenstellen und mehrere Live-Videos gleichzeitig anschauen.

Vom Ein-Mann-Hobby-Reporter, nur mit Handykamera ausgestattet, bis zum vollausgerüsteten „Nightcrawler“ mit Helm, Gasmaske und feuerfester Unterhose, waren viele mutige Live-Berichterstatter unterwegs. Ebenso hatten private TV Nachrichtensender mehrere Teams nach Hamburg geschickt, um viele Stunden live von den Demos auf unseren Straßen zu berichten. Auch sie scheuten nicht den Kontakt mit Wasserwerfer und angriffslustigen Vermummten, um direkt vor Ort an Interviews zu kommen. Es wurden nicht nur brennende Barrikaden gefilmt, sondern auch die Taktiken der Polizei, der Störer und der Gewalttäter beleuchtet. Oft spielten sich am Rande und in den Nebenstraßen die interessanteren Geschehnisse ab.

Die Liveberichte des Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunks waren dagegen Mangelware. Man traut sich anscheinend nicht, auch nur eine Minute unkommentiert live zu senden. Von mehreren Teams, die zeitgleich aus abwechselnden Perspektiven und von unterschiedlichen Orten berichten, war nicht viel zu sehen. Das Sendestudio am Südufer der Elbe mit Blick auf die Elbphilharmonie, wurde extra mit großem Aufwand zum G20 aufgebaut. Hauptsache die Kulisse stimmt für langweilige Interviews mit Promis und Politiker. Bei einer Live Pressekonferenz im ARD wurde auch gleich nach den Statements von Hamburger-Polizei und -Politik wieder ins Studio geschaltet, die anschließenden kritischen Fragen der Pressevertreter waren dem ÖRR scheinbar nicht so wichtig. Gut dass es Journalisten gibt, die mit Mut und Kreativität die Lücken ausfüllen, auch ohne Milliarden Etats aus Zwangsabgaben.
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