Noch immer keine Spur vom toten Baby

In so einer silberfarbenen Kiste wurde der Babyleichnam aus dem Krankenhaus gebracht. (Foto: Asklepios)
 
Wahrscheinlich hatte der Dieb es auf die Kiste abgesehen und nicht geahnt, was sich darinnen befand. (Foto: Asklepios)

5.000 Euro Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls führen

Ein Elternpaar erlebt derzeit einen Alptraum. Am 11. Oktober brachte die Frau in der Asklepios Klinik Altona ein totes Baby zur Welt. Als die kleine Babyleiche bestattet werden sollte, war sie verschwunden - gestohlen. Und sie ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Kurz vor Redaktionsschluss am Montag, 24. Oktober, fragte das Wochenblatt Polizeisprecher Andreas Schöpflin, wieviel Hinweise bis jetzt eingegangen sind. Seine Antwort: „Kein einziger.“
Das war passiert: Ein Mitarbeiter der Klinik sollte die Babyleiche vom Perinatalzentrum, wo das Kind auf die Welt gekommen war, in die Pathologie bringen. Das tote Kind lag in Tücher gewickelt in einer silberfarbenen Transportkiste. Der Mann stellte, obwohl er Anweisung hatte, den Leichnam direkt in die Pathologie zu bringen, die Kiste auf dem Weg dorthin einfach in einem Flur ab. Von dort verschwand sie. Dem Mitarbeiter wurde gekündigt.
Aufgefallen ist der Diebstahl erst drei Tage später, am 14. Oktober, als der Bestatter den Säugling abholen wollte. Zurzeit wertet die Polizei die Aufzeichnungen aller Überwachungskameras aus, die die Bereiche um die Klinikein- und ausgänge kontrollieren.
Das Wochenblatt hat mit dem Rechtsanwalt der Eltern, Dr. Oliver Tolmein, gesprochen. Den Eltern gehe es nach wie vor schlecht, sagt er. Sie haben nicht nur den Schicksalsschlag des still geborenen Söhnchens zu verkraften sondern auch die Ungeheuerlichkeit, dass sein Leichnam verschwunden ist.
Wie erklärt Tolmein sich, dass der Täter immer noch nicht reagiert hat, obwohl der Fall in Zeitungen und Fernsehen groß gebracht wurde? Es könne mehrere Gründe geben, sagt der Anwalt: „Der Täter hat vielleicht immer noch nicht mitgekriegt, dass der Leichnam gesucht wird.“ Zum Beispiel könne einer der Arbeiter der nahegelegenen Baustelle die Kiste mitgenommen haben und längst nicht mehr in Hamburg sein. Das sei der plausibelste Grund. Der zweite: der Täter hat Angst. Die schrecklichste Erklärung: Der Täter war gar nicht, wie alle annahmen, an der Kiste interessiert, sondern an dem Kind.
Am Krankenhaus Altona sind die Sicherungsvorkehrungen geändert worden: Krankenhaussprecher Mathias Eberentz: "Jetzt werden solche Transporte in der Pathologie telefonisch angekündigt und ihre Ankunft muss telefonisch und schriftlich bestätigt werden. Außerdem haben wir neue, abschließbare Transportbehältnisse in Auftrag gegeben. Und wir prüfen, wie die Sicherheit in den Fluren und Gängen verbessert werden kann.
Wer kann helfen?
Die Asklepios Klinik Altona und Polizei bitten um Mithilfe und fragen: Wer hat die silberfarbene Kiste nach dem 11. Oktober gesehen? Wer weiß, wo der Leichnam und die Kiste sind oder sein könnten? Krankenhaussprecher Matthias Eberentz: „Wir wollen nicht den Täter, wir wollen nicht die Kiste, wir wollen den Eltern die Chance geben, ihr Kind zu bestatten.“ Für erfolgreiche Hinweise hat die Klinik eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt. Wer etwas weiß, kann - auch anonym - rund um die Uhr die Verbindungsstelle im Landeskriminalamt, Tel 428 65 67 89 anrufen.
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1 Kommentar
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Eva Maria Schnoor aus Wilhelmsburg | 29.10.2011 | 14:48  
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