„Nicht wieder in die Verwaltung!“

Altonas Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose (rechts) galt als verbindend und verbindlich - und war immer zu einem Lachen bereit. Hier mit dem Altonaer CDU-Fraktionsvorsitzenden Uwe Szczesny.
 
Mit Thomas Adrian, Chef der SPD-Fraktion in der Altonaer Bezirksversammlung. Adrian soll nach dem Willen seiner Fraktion Nachfolger von Jürgen Warmke-Rose werden.

Jürgen Warmke-Rose hat als Bezirksamtsleiter in Altona aufgehört.

Jürgen-Warmke Rose (52), Altonas Bezirksamtsleiter, räumt nach sechs Jahren im Weißen Rathaus an der Elbe seinen Schreibtisch. Am Dienstag, 30. April, feierte er mit Käsebrötchen und Kaffee Abschied von den engsten Mitarbeitern. Wer sein Nachfolger wird, steht noch in den Sternen. Klar ist: Warmke-Rose übergibt ein aufgeräumtes Rathaus, aber auch einen Bezirk, auf den viele Probleme zukommen.
Ganz anders die Situation, als er 2007 seinen Dienst antrat. Das Rathaus Altona galt als „Schlangengrube“. Leitende Mitarbeiter hatten jahrelang an öffentlichen Aufträgen verdient, mussten entlassen werden, Warmke-Rose sah sich darüberhinaus konfrontiert mit dem zerrütteten Verhältnis zwischen einer verunsicherten Verwaltung und der regierenden CDU/GAL Koalition, die auf die Missstände im Rathaus auf brutalstmögliche Art reagierte: Sie machte alles öffentlich und fegte den vorherigen Bezirksamtsleiter Hinnerk Fock aus dem Amt.
„Es gibt charmantere Wege, in der Hamburger Verwaltung mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden", seufzte der frisch Gewählte damals. Und machte sich an die Arbeit. Innerhalb kurzer Zeit hatte er das Bezirksamt stabilisiert, die Bezirksverwaltungsreform umgesetzt und damit neue Stellen geschaffen und das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung so entspannt, dass auch nach der Ablösung der schwarzgrünen Koalition 2011 durch eine rotgrüne zusammen- und nicht gegeneinander gearbeitet wurde. „Menschlicher Umgang“, „vernünftiges Miteinander“ – das waren Schlüsselbegriffe der Ära Warmke-Rose.
Er stellt sich nicht zur Wiederwahl, weil SPD und Grüne in ihrem Koalitonsvertrag festgelegt haben, dass nach seiner Amtszeit Neues folgen soll. Der oder die soll nach dem Willen der SPD-Fraktion ein rotes Parteibuch haben. Das haben inzwischen, bis auf den parteilosen Warmke-Rose, alle Bezirksamtsleiter in Hamburg. Seitdem, erklärt Jürgen Warmke-Rose, sei es nicht mehr gelungen, die sieben Bezirke dem (SPD-)Senat gegenüber in einer gemeinsamen, kritischen Position zu vereinen. „Das ist der Grund, warum ich sehr traurig aus dem Amt scheide.“
Warmke-Rose hat mit seiner Kritik, der Senat spare die Hamburger Verwaltung kaputt, nie hinterm Berg gehalten. Deswegen sieht er seine Zukunft „mit Sicherheit!“ nicht in der Verwaltung: „Zum Glück bin ich ja auch Hamburgischer Rechtsanwalt.“

Persönlich
Das Zu-viel-Arbeiten hat eine schöne Kehrseite: Jürgen Warmke-Rose (52) muss jetzt 50 Tage Urlaub abfeiern. Erst drei Wochen Kur in Sachsen. Unter dem Motto: „Los, beweg Dich!“ will er wieder anfangen, Sport zu treiben. Das war sechs Jahre lang nicht drin. Danach gehts zum ersten Mal im Leben in den Club-Urlaub, segeln und bogenschießen.
Bis zum 31. Dezember in den einstweiligen Ruhestand versetzt, braucht er einen neuen Job erst im Januar. Hat er Lebensträume, die verwirklicht werden wollen? Nein. Den Keller will er aufräumen, im Garten arbeiten und sich um die Familie kümmern – um den Vater und Tochter Nele (26), die Ernährungswissenschaften in Kiel studiert.
Das Privatleben ist der „zum Teil etwas unaufgeräumte Teil seines Lebens“, gibt er zu. Dass seine Ehe fast zeitgleich mit seiner Wahl zum Bezirksamtsleiter zerbrach - er hat es aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Und dass er inzwischen wieder glücklich verbandelt ist, ebenfalls.
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