Neubauprojekt Mitte Altona: Verzichtet Hamburg auf zu viel?

Der zukünftige neue Stadtteil "Mitte Altona" sieht heute so aus. Das Luftbild hängt als Riesen-Poster zur Ansicht im Infozentrum Mitte Altona, Harkortstraße 121 (Hofeingang). Öffnungszeiten: Mo. und Do. 15-20 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Bürgersprechstunde: Mo. 17-19 Uhr.

Stadt über Vorkaufsrecht nicht aus und überlässt Entwicklung einem privaten Investor.

Die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, ein Unternehmen, das Einkaufs-zentren (ELBE) betreibt, hat im geplanten neuen Stadtteil Mitte Altona der Bierfirma Holsten eine 4,5 Hektar große Fläche abgekauft. Die Stadt Hamburg hat ein Vorkaufsrecht. Hätte sie das ausgeübt, hätte sie allein bestimmen können, was auf der derzeitigen Brachfläche gebaut wird. Doch sie hat verzichtet und überlässt das Grundstück der ECE. Im Gegenzug muss die ECE sich vertraglich verpflichten, Forderungen der Stadt zu erfüllen.
Die wichtigste Forderung: Ein Drittelmix bei den entstehenden rund 1.200 Wohnungen. Das bedeutet etwa 400 Sozialwohnungen, 400 freie und 400 geförderte Mietwohnungen. Weitere Forderungen: Autoarmes Wohnen, Bereitstellung von Flächen für Baugenossenschaften und die Übernahme von anteiligen Erschließungskosten - allerdings ist noch nicht ausgehandelt, in welcher Höhe. Wie die Neubauten aussehen werden, soll über einen Architekten-Wettbewerb entschieden werden.
Der SPD-Senat erhofft sich von dem Verzicht auf sein Vorkaufsrecht einen Spareffekt. Bürgerinitiativen und Oppositionspolitiker befürchten dagegen, dass die ECE als privater Investor nur am Gewinn interessiert ist. Die Bürgerschaftsabgeordnete der Linken Heike Sudmann hält die Zusagen, die die ECE bisher gegenüber der Stadt abgegeben hat, für „laue Absichtserklärungen und heiße Luft“; sie meint, der Senat habe sich über den Tisch ziehen lassen und die Chance aus der Hand gegeben, die Mitte Altona „vor dem ungezügelten Renditestreben der Investoren zu bewahren“.
Dagegen wehrte sich ECE-Manager Martin Lepper in einem Interview bei Hamburg 1: „Spekulation ist etwas, was wir als ECE generell nicht machen. Nicht nur, weil das einen schalen Beigeschmack hat; sondern wir sind ein Immobilienentwickler, der hochprofessionell arbeitet, und keine Grundstücksdealer, die Grundstücke ankaufen und wieder verkaufen.“ Die Zusagen an die Stadt Hamburg betrachte er als verbindlich.

Bezirksversammlung: Altona gestalten
Um die Mitte Altona geht es auch in der Bezirksversammlung am Donnerstag, 27. September, um 18 Uhr im Rathaus Altona, Platz der Republik 1. Robert Jarowoy, Vorsitzender der Fraktion der Linken, hat für die aktuelle Stunde das Thema angemeldet: „Wer gestaltet Altona? Stadtplanung ist eine öffentliche Kernaufgabe und darf nicht in die Hand von Konzernen wie IKEA und Otto übergeben werden.“ Weitere Themen: die geplante Unterbringung von obdachlosen Familien am Holstenkamp, die Aufnahme syrischer Flüchtlinge, die Pflege Altonaer Parks und Grünanlagen und Vermietungspläne für das ehemalige Finanzamt in der Großen Bergstraße. CH
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.