Nazisymbol aus der Versenkung holen?

Alte Bilder zeigen das Kornblumen-Mosaik, das rund um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal angelegt war. Heute ist es in etwa einem halben Meter Tiefe unter Sand und Pflastersteinen begraben. (Foto: Altonaer Stadtarchiv)
 
Unter diesem Pflaster liegt ein Kunstwerk - oder eine politische Zeitbombe?

Zu Altonas 350-Jahrfeier soll das Kornblumenmosaik vor dem Rathaus wieder ans Tageslicht geholt werden. Doch es gibt Protest.

Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaer Stadtarchivs, hat einen ehrgeizigen Plan. Er möchte zu Altonas 350-Jahr-Feier im August 2014 das Kornblumen-Mosaik von 1898 wieder ausgraben lassen, das seit Jahrzehnten unter dem Pflaster vor dem Haupteingang des Rathauses verborgen liegt. Inzwischen hat er viele Unterstützer für seine Idee. Doch jetzt tauchen Stimmen auf, die politische Argumente gegen den Plan vorbringen: Die Kornblume sei ein Symbol rechtsgerichteter Weltanschauung.
Die „preußisch blaue“ Lieblingsblume von Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck gilt seit Ende des 19. Jahrhunderts als deutschnationales Symbol. Sie war unter anderem in Österreich Parteiblume der großdeutschen, antisemitischen Schönerer-Bewegung und von 1933 bis 1938 Erkennungszeichen der in Österreich damals illegalen NSDAP. Heute tragen Anhänger der FPÖ die Kornblume am Revers.
Pastor Ulrich Hentschel, an der Evangelischen Akademie der Nordkirche Studienleiter mit dem Schwerpunkt Erinnerungskultur, gibt zu bedenken: „Es wird doch sehr deutlich, dass die Kornblume vor allem in Österreich ein Symbol nationaler und rechter Bewegungen ist. Sie ist also leider nicht mehr unschuldig.“
Freigelegt zum 350 Jubiläum von Altona direkt vor dem Rathaus würde das Mosaik zum Politikum: „Schon allein deshalb, weil sich rechte Gruppen sehr daran erfreuen dürften und den Ort zu einer mehr oder weniger heimlichen Stätte der Verehrung machen könnten.“
Hentschel plädiert für ein Freilegen eines Teils des Mosaiks als „Blick in die Geschichte“ versehen mit einem von Fachleuten verfassten Hinweis auf den rechtsnationalen Symbolgehalt.
Der Altonaer Künstlerin HM Jokinen, die sich seit vielen Jahren mit Hamburgs Verhältnis zu seiner Geschichte beschäftigt, reicht das nicht: „Eine erläuternde Tafel allein kommt gegen den geballten rechtsnationalen Mythos nicht an – wir brauchen starke Gegenbilder direkt auf dem Rathausplatz.“
Wolfgang Vacano setzt dagegen: „Ich meine, dass mit dem Schwarzen Block von SolLewitt in direkter Sichtlinie zum Kaiser-Denkmal schon ein wunderbarer Gegenentwurf existiert.
Wie wollen wir unseren Nachfahren die Geschichte Altonas, näherbringen, wenn man alles, was nicht mehr genehm ist, einfach von der Bildfläche verschwinden lässt oder diskreditiert? So nimmt doch Geschichtslosigkeit ihren Anfang.“

Ihre Meinung ist gefragt!
Muss das sein? Dass alles immer so ins Politische gezerrt wird? So ein hübsches Mosaik auszugraben - davon wird Altona nicht rechtsradikal.... ist doch alles übertrieben. Ist das Ihre Meinung?
Oder sagen sie: Halt, Stopp! Eines darf man nicht machen: Vermeintlich Hübsches aus hässlichen Zeiten einfach unbedarft zur Schau stellen und schön finden. In Altona schon gar nicht. Wir haben eine Vergangenheit, und die darf nicht unkommentiert bleiben.
Mosaik freilegen? Teile ausgraben und mit Erklärung versehen? Oder lassen, wo es ist - unterm Pflaster? Was ist Ihre Meinung?
Bitte unter Stichwort „Kornblume“ schreiben an: Elbe Wochenblatt, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg. Fax: 85 32 29 39. Per E-Mail mit dem Betreff „Kornblume“ an: post@ wochenblatt-redaktion.de
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