Mutmaßlicher Brandstifter freigesprochen

Aus dem Amtsgericht Altona: Zu viele Zufälle, zu wenig Beweise

Von Philipp Waack und Christiane Handke. An Handschellen wird er in den Saal geführt. Marcel N. (21), nicht vorbestraft, mager, blass, hochrote Flecken auf den Wangenknochen, scheuer Blick, ist der Brandstiftung und der schweren Körperverletzung angeklagt. Er ist zu einem ersten Gerichtstermin im August nicht gekommen, wurde per Haftbefehl gesucht, im September geschnappt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Sieben Menschen wurden beim Brand in der Warthestraße 1 am 8. November vergangenen Jahres verletzt; sie atmeten giftigen Rauch ein. 25.000 Euro Schaden entstand am Haus. „Ich hab damit nichts zu tun. Definitiv nicht“, sagt Marcel N. Er habe den Brand nicht gelegt, er habe ihn nur bemerkt: „Der Rauch kam aus den Steckdosen in der Küche.“ Er und sein Freund und Namensbruder Marcel E. (19), der zu Besuch war, seien über die Terrasse nach draußen geflüchtet. Er habe die Feuerwehr alarmiert, sein Freund sei durch die Eingangstür wieder ins Haus, um Menschen zu retten.
Marcel E., der Freund, der ebenfalls wegen Brandstiftung angeklagt, aber mangels Beweisen, freigesprochen worden war, ist als Zeuge vorgeladen. Er schildert seine Version der Ereignisse. Die passt hinten und vorne nicht zu dem, was der Angeklagte erzählt hat;so erinnert er sich zum Beispiel nicht, ins Haus zurückgelaufen zu sein, um jemanden zu retten.
Seltsam auch, dass es nur fünf Wochen zuvor bei Marcel E. in der Katzbachstraße gebrannt hatte. Auch damals waren die beiden Freunde zusammen vor Ort. „Finden Sie das nicht merkwürdig?“, fragt der Richter. „Jau, das finde ich auch merkwürdig“, meint der Zeuge lakonisch und schweigt. Je bohrender die Fragen des Richters werden, desto mehr schwindet das Erinnerungsvermögen des 19-Jährigen, der früher Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Lurup war. Sichtlich erleichtert verlässt er den Zeugenstand.
„Zu viele Zufälle für dieses Gericht“, merkt der Richter an. Aber verurteilen kann man Marcel N. genauso wenig wie seinen Kumpel Marcel E. - die Beweislage ist einfach zu dünn. Dafür will der Richter dem Angeklagten nochmal richtig einheizen, nennt die Tat ein „hinterlistiges Delikt“ und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein des jungen Mannes.
Der aber hört nur das Wort Freispruch, wendet sich ab und geht schnellen Schrittes aus dem Saal.
 auf anderen WebseitenSenden
6 Kommentare
630
Angela Banerjee aus Altona | 27.12.2011 | 19:13  
24
harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 26.04.2012 | 18:11  
24
harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 26.04.2012 | 18:33  
630
Angela Banerjee aus Altona | 27.04.2012 | 02:48  
24
harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 02.05.2012 | 20:50  
630
Angela Banerjee aus Altona | 02.05.2012 | 21:47  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.