Musizieren für mehr Selbstvertrauen und Toleranz: 10 Jahre Musica Altona

Wann? 10.05.2012 18:00 Uhr

Wo? Körber-Forum, Kehrwieder 12, 20457 Hamburg DE
Auftritt der „Geigenkids“ von Musica Altona bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck. Fotograf: Olaf Malzahn
Hamburg: Körber-Forum | Das erfolgreiche Musikprojekt „Musica Altona“ feiert am 10. Mai sein 10jähriges Bestehen gemeinsam mit Schirmherr und Gründungsmitglied Rolf Zuckowski. Im Körber-Forum zeigen verschiedene Schülergruppen die musikalische Bandbreite von Musica Altona: Die Geigenkids, die junior drummers, krass bass und Die Band.

Das Kinder- und Jugend-Musikprojekt in Hamburg-Altona wurde 2002 von der BürgerStiftung Hamburg initiiert. Afrikanische Trommeln, Gitarren, Blockflöten, Keyboard, Klavier und Geige: Seit dem Frühjahr 2002 bringen in Altona qualifizierte Lehrkräfte Mädchen und Jungen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern für wenig Geld die Musik nahe. „Das gemeinsame Musizieren in jungen Jahren fördert die soziale Kompetenz, hilft Vorurteile abzubauen und trägt zum gegenseitigen Verständnis bei. Kurz: Es fördert interkulturelle Freundschaften“, sagt Dr. Hugbert Flitner, der zu den Initiatoren des Musikprojektes gehört.

Ursprünglich hatten er und seine Mitstreiter in der BürgerStiftung Hamburg überlegt, einen Instrumentenfonds ins Leben zu rufen. Den gibt es inzwischen ebenfalls, und er ermöglicht es, mit gut 100 gespendeten Instrumenten schlummernde Talente zu fördern. 2002 allerdings reichten die Überlegungen weiter. Die BürgerStiftung Hamburg, die es sich zum Ziel gesetzt hat, insbesondere jungen Menschen zukunftsweisende Chancen zu eröffnen, sah im gemeinsamen Musizieren und Singen eine Möglichkeit, Kindern Selbstvertrauen und Toleranz zu vermitteln. Sie lernen dabei im wörtlichen Sinne aufeinander zu hören und präzise mit anderen spielerisch zusammenzuarbeiten.

So gründete die BürgerStiftung Hamburg zusammen mit einigen Institutionen und Musikern den Verein „Musica Altona“. Liedermacher Rolf Zuckowski, damals im Stiftungsrat der BürgerStiftung Hamburg, übernahm die Schirmherrschaft. Zuckowski sagt zu dem Musikprojekt: „Wenn es nach mir ginge, würde man Musica Altona ganz groß schreiben. Dieses von der Hamburger Bürgerstiftung geförderte Projekt ist ein leuchtendes Beispiel für gelungene Basisprojekte der Kindermusikkultur“.

Zwölf Lehrkräfte bilden rund 180 Kinder und Jugendliche in mehr als 30 Gruppen aus. Einmal wöchentlich, meistens außerhalb der Schule, findet der Unterricht statt. Das Repertoire reicht von Klassik und Pop über orientalische und südamerikanische Rhythmen bis hin zu HipHop und Soul. Zudem gibt es inzwischen ein Bandprojekt, den „Rollenden Musikkoffer“ als musikalische Früherziehung in Kindertagesstätten von Altona, sowie ein gemeinsames Kinder-Eltern-Projekt unter dem Motto „Sing Sang Sonntag“. „Eine Nebenfolge von Musica Altona ist die soziale Integration der Eltern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen über die gemeinsamen Interessen an der musikalischen Ausbildung und dem öffentlichen Auftreten ihrer Kinder“, freut sich Dr. Flitner. Er unterstützt die ehrenamtliche Initiative nach wie vor mit Rat, ist Anlaufstelle für die Initiative und wirbt Spenden ein, „damit allen Kindern ein Zugang zur Musik möglich ist“.

„Wir merken, dass es möglich ist, miteinander auszukommen und lernen alle voneinander“, sagt Patricia Renz, die Projektleiterin von Musica Altona, die in Kolumbien geboren und aufgewachsen ist und in Hamburg als Musiklehrerin arbeitet. Ziel für jede Schülergruppe von Musica Altona ist es, einen Auftritt zur weiteren Motivation und als gemeinsames identitätsstiftendes Erlebnis zu erreichen. Aus dem kulturellen Leben des Stadtteils sind die Schülergruppen nicht mehr wegzudenken: auf zahlreichen Schulfesten, auf der Altonale und auf Konzerten in der Fabrik stoßen sie auf ein begeistertes Publikum.

Besonders bekannt geworden sind die „Geigenkids“ von Musica Altona, die von Gino Romero-Ramirez betreut werden. Gegen alle Widerstände und Bedenken hatte der Musiker in einem der ärmsten Stadtteile Hamburgs die Idee durchgesetzt, einer gesamten Grundschulklasse Violinen in die Hand zu drücken – mit unglaublichem Erfolg. Die begabtesten und besten aller Geigenschüler spielen nach der Grundschule weiter Violine bei Musica Altona. Der Dokumentarfilm „20 Geigen auf St. Pauli“, der im Januar angelaufen ist, erzählt die Geschichte der Geigenkinder von St. Pauli und ihrem Lehrer.

Von dem ehrenamtlich geführten Verein „Musica Altona“ wurde inzwischen in enger Kooperation mit der BürgerStiftung Hamburg ein Modell für entsprechende Aktivitäten in anderen Stadtteilen entwickelt. So gibt es das vergleichbare Projekt „Musikklang Horn“ auch bereits im Stadtteil Hamburg-Horn.
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