Mord in Altona

Hugo Lobecks Krimi „Beton-Blues“: Jede Menge Lokalkolorit.

Von Christopher von Savigny.
Kaum, dass er sich versieht, steckt Detektiv Freddie Nietsch mitten in seinem zweiten Fall: Ein Altonaer Künstler ist spurlos verschwunden. Dessen verzweifelte Freundin bittet den Privatschnüffler um Hilfe. Gleichzeitig wird Nietsch von einem Immobilienunternehmen beauftragt – die ansässige Baufirma „Dehmel & Brüll“ wird offenbar von einem Unbekannten erpresst. Ganz schön viel Arbeit für Cappuccino-Fan Nietsch, der schon sehr bald über seine erste Leiche stolpert...
„Beton-Blues“ heißt Hugo Lobecks zweiter Band mit dem Ottensener Privatdetektiv Freddie Nietsch. Geschickt verbindet der Autor Fiktion und Wirklichkeit und lässt daraus einen Krimi entstehen, in dem es um Spekulation, Korruption, Mord und Erpressung geht. Den Hintergrund bilden das ehemalige Frappant-Gebäude in der Neuen Großen Bergstraße und die Szene rund um den Altonaer Bahnhof, wo sich Bürgerinitiativen und Spekulanten erbitterte Gefechte liefern. Denn der Bahnhof soll abgerissen und verlegt werden, was den Anwohnern sauer aufstößt. Schließlich sei Altona ohne Bahnhof „wie ein Fisch ohne Fahrrad“. Ein neues „Stuttgart 21“ droht. Und wer da überhaupt seine Hände mit im Spiel hat – Baufirmen? Spekulanten? Bezirksamt? – bleibt lange Zeit völlig unklar.
Lesenswert ist Lobecks Krimi vor allem für Altonaer und alle diejenigen, die den Stadtteil gerne kennenlernen möchten: Es wimmelt nur so von typischen Straßen- und Kneipenszenen – sogar das inzwischen längst nicht mehr existente „Woodpecker“ an der Max-Brauer-Allee steht noch. Ausführlich beschreibt Lobeck seine Cha-raktere – undurchsichtige Firmenbosse, dralle Vorzimmerdamen und allerlei skurrile Gestalten geben sich ein Stelldichein. Große Mühe gibt sich der Autor darin, ein wenig Stadtteilgeschichte mit einzuflechten (Beispiel: Altonaer Blutsonntag), doch wirken diese Exkurse sehr aufgesetzt. Und der Eindruck, dass der Autor für eine ganze Reihe Ottensener Kneipen Schleichwerbung betreibt, tut dem Buch auch nicht gut.
Hugo Lobeck lebt seit 1971 in Hamburg. Nach dem Studium der Philosophie und Germanistik und dem Besuch einer freien Kunstschule arbeitete er als Autor und Illustrator, als freier Künstler, Grafiker und Journalist für verschiedene Hamburger Verlage. Ausgedehnte Reisen als Hippie führten ihn in den 1970er Jahren durch Asien und Afrika, später auch in die USA und in die Karibik.

❱❱ Beton-Blues, 192 Seiten,
Lupus-Verlag in Hamburg. Preis: 9,70 Euro. ISBN 978-3-9814755-0-0
❱❱ www.hugo-lobeck.de.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.