Mit Qualität den Markt erobert

Kaffeehändler Ulrich Carroux vor der Röstmaschine in seinem Café in der Elbchaussee in Blankenese. Zwölf Kilo kann die Maschine pro Röstvorgang verarbeiten. (Foto: rs)
 
Treff in exklusiver Lage: Im Café Carroux in der Elbchaussee diskutieren Koffein-Junkies, aber auch Touristen finden den Weg hierher. (Foto: rs)

Kaffeeröster Ulrich Carroux hat lange experimentiert, bis er den Dreh ‘raus hatte

Von Reinhard Schwarz, Blankenese

Vom Architekturstudenten zum Kaffeeröster: Ulrich Carroux kann auf eine ungewöhnliche Karriere zurückblicken. Innerhalb von 15 Jahren gelang ihm der Sprung vom Studienabbrecher zu einem gefragten Kaffeeröster. So konnte sich der 46-Jährige erst kürzlich gegen vier Konkurrenten durchsetzen: Jetzt beliefert er das Empire Riverside Hotel am Hamburger Hafen. Das Geheimnis seines Erfolges? Deutlich wird: Es geht um Qualität, und zwar dauerhaft. „Das Kaffeegeschäft entwickelt sich sehr langsam und kontinuierlich“, sagt Carroux in seinem Café an der Elbchaussee in Blankenese. „Das Geschäft lebt von Beständigkeit und Vertrauen. Das ist bei Lebensmitteln ganz besonders wichtig“, sagt er und ordert in der Café-Lounge noch einen weiteren hausgemachten Cappuccino.
Den Anstoß, in das sensible Geschäft mit den aromatischen Bohnen einzusteigen, gab vor allem seine Unzufriedenheit mit der Kaffeequalität in seiner Studienzeit Anfang der 1990er Jahre. „So um 1992, 1993 lag das Kaffee-Niveau am Boden“, erinnert er sich mit Grausen.
Also begann Carroux, der zum Studium nach Hamburg gezogen war, zu experimentieren. Zunächst mit der kleinsten Röstmaschine, die es auf dem Markt gab. „Das war eine alte Maschine für maximal fünf Kilo Kaffee. Die habe ich in Ottensen bei der Rösterei 'Katelbach' gekauft.“ Doch selbst vier Kilo Rohkaffee waren anfangs noch zu viel. „Ich musste 20 Päckchen Kaffee innerhalb von vier Tagen verkaufen.“ Aber die Nachfrage nach den edlen Bohnen stieg bald. Carroux: „Wir haben von Anfang an auf Qualität gesetzt. Das kam sehr gut bei qualitätsbewussten Gastronomen an.“ Mittlerweile kann der Kaffeeröster einige Großkunden vorweisen, etwa die Stadtbäckerei, die Spiegel-Kantine oder die Bäckerei Becker. Zum Geschäft gehört auch ein eigener Lieferservice.
Mittlerweile beliefert Carroux seinen Kaffee auch von Hannover aus. Dort steht eine Maschine, die in einem Durchgang 100 kg Rohkaffee röstet. Von hier aus werden Gastronomen und Großkunden beliefert. Im Blankeneser Carroux-Café steht eine Zwölf-Kilo-Maschine. Das reicht für die Laufkundschaft und den Kaffeeausschank. Überhaupt die Röstung: Hier liegt das Geheimnis für die gleichbleibend hohe Qualität der schwarzen Bohnen. „Unser Espresso wird 18 Minuten lang bei 200 bis 220 Grad geröstet, während der Filterkaffee lediglich zwölf Minuten braucht“, erläutert der schlanke Mittvierziger, der vor seinem Architekturstudium noch eine Tischlerlehre absolvierte: „Daher kommt wohl auch meine Affinität zu Maschinen.“
Während der Filterkaffee zu 100 Prozent aus Arabica-Bohnen besteht, werden dem Espresso 20 Prozent Robusta-Rohkaffee beigemischt. Robusta-Bohnen sind, wie der Name schon sagt, widerstandsfähiger, während die in 900 bis 2000 Meter Höhe angebauten Arabica-Pflanzen durch unerwartete Nachtfröste durchaus schwer geschädigt werden und den Bauern herbe Ernteausfälle bescheren können. Doch woran erkennt der Experte, dass seine Bohnen in der Röstmaschine „gut“ sind? Die Antwort: „Das ist wie beim Grillen: Man muss daneben stehen und gucken, den richtigen Zeitpunkt muss man selber bestimmen.“ Kaffeeröster Carroux hat wohl auch geschäftlich den richtigen Zeitpunkt für den schwierigen Handel mit den empfindlichen Koffeinbohnen gefunden.
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