„Mich hat ein S-Bahn- Kontrolleur misshandelt!“

Blutunterlaufene Hämatome am Oberarm. "Das hat ein S-Bahn-Kontrolleur getan", sagt Elisa L.
 
Blutunterlaufene Hämatome am Oberarm. "Das hat ein S-Bahn-Kontrolleur getan", sagt Elisa L.

Wurde eine Abo-Card-Inhaberin aus Lurup am S-Bahnhof Reeperbahn festgehalten und brutal geschüttelt, weil sie nach der Kontrolle ihre Karte wiederhaben wollte? Staatsanwaltschaft ermittelt.

Zehn Tage nach dem Vorfall am S-Bahnhof Reeperbahn schillern die großen Hämatome an den Armen von Elisa L. in sämtlichen Farben zwischen Gelb und Dunkelviolett. „Das hat ein S-Bahn-Kontrolleur getan“, sagt die 55-Jährige Luruperin.
Was ist passiert? Elisa L.(Name der Redaktion bekannt) war auf dem Weg in die Endoklinik zur Nachsorgebehandlung nach einer Brustkrebsoperation. „Am Ausgang Nobistor wurde ich von zwei S-Bahn-Kontrolleuren angehalten und nach meinem Ticket gefragt. Ich habe seit Jahrzehnten eine Abo-Card. Die habe ich gezeigt.“
Damit nahm das Unglück seinen Lauf. Die beiden Männer entdeckten, dass das Foto falsch angebracht war. „Das stimmt“, sagt Elisa L. „Das alte war kaputt gegangen und ich habe ein neues aufgeklebt. Ich wusste nicht, dass man das nicht darf.“ Einer der S-Bahn-Mitarbeiter habe sie sofort wie eine Kriminelle behandelt, sie angebrüllt und ihre Abo-Card einbehalten. „Ich wollte meine Karte zurück und meinen Termin einhalten. Da packte der Mann mich sehr fest am Oberarm und hat mich brutal geschüttelt.“ Später habe er zwei weitere S-Bahn-Wachen-Mitarbeiter dazu geholt. „Die haben mich zu viert umringt, ich hatte große Angst und habe geweint.“
Ohne Abo-Karte kam sie schließlich völlig aufgelöst in der Endoklinik an. Dort riet man ihr, die Hämatome in der Rechtsmedizin im UKE dokumentieren zu lassen. Das tat sie. Zudem ließ sie sich ein Attest von ihrem Hausarzt geben. Und sie erstattete Anzeige im Polizeikommissariat 21. Auch das kein schönes Erlebnis.
„Der Polizist hat mich gar nicht ernst genommen“, erzählt sie. Damit hat sie wohl Recht. Denn er hat versäumt, was er sofort hätte veranlassen müssen: die Aufnahmen aus der Überwachungskamera am Bahnhof zu sichern. Holger Vehren von der Pressestelle der Polizei: „Wie das passieren konnte, können wir nicht nachvollziehen.“
Polizei vergisst, Beweisbilder aus Kamera sicherzustellen
Die Bilder der Kameras werden nach 72 Stunden überschrieben. Schlecht für Elisa L., die nun keine Zeugen hat. Der S-Bahn-Mitarbeiter hat welche ­– seine Kollegen, die dabei waren. Deren Darstellung schildert Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis: „Der Prüfer bat Frau L. sich auszuweisen, um ihre Daten abzugleichen. Sie weigerte sich jedoch, wurde laut, beschimpfte unsere Mitarbeiter und schlug wild um sich. Sie wollte weglaufen und ein Mitarbeiter hielt sie am Handgelenk fest.“
Das Wochenblatt konfrontiert Elisa L. mit dieser Aussage. Sie reagiert unerwartet: Sie lacht laut los. Wieder ernst, sagt sie: „Das ist eine Lüge! Ich wurde gar nicht nach dem Ausweis gefragt. Warum hätte ich den nicht zeigen sollen?“ Sie bleibt dabei: „Das war ein Übergriff, der so nicht hätte passieren dürfen. Und ich möchte das Eingeständnis, dass das falsch war.“
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung.

Zeugen gesucht
Wer hat den Vorfall am Bahnhof Reeperbahn gesehen?
Elisa L. hat keine Zeugen. Wer zufällig am 3. September am Bahnhof Reeperbahn, Ausgang Nobistor, vor Ort war und sich daran erinnert, dass dort etwas Ungewöhnliches vor sich ging, wird gebeten, in der Elbe Wochenblatt Redaktion anzurufen: Tel. 85 32 29 33 oder 0172 726 73 00.

Was meinen Sie? Fahrkartenkontrolle in der Bahn: Sind die Kontrolleure höflich oder gehen sie eher ruppig mit den S-Bahn-Kunden um?
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
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