Mama Ritas Zuhause

„Manchmal wird es so voll, dass wir Gäste abweisen müssen“, sagt Jose Fernandes vom Restaurant „Casa Madeira“. Foto: cvs
Hamburg: Portugiesenviertel |

Das Portugiesenviertel – von seinen Bewohnern geprägt

Ch. v. Savigny, Neustadt
Wenn in Hamburg mal die Sonne vom Himmel brennt, wie es Ende Juli für ein paar Tage der Fall war, dann fühlen sich Touristen im Portugiesenviertel sofort ein bisschen wie an der Algarveküste: Aus den Cafés weht ein frischer Duft von gebackenem Toast und Milchkaffee, Anwohner stehen oder sitzen auf dem Bürgersteig und unterhalten sich.
Aber auch bei Hamburger Schmuddelwetter genießt das Viertel rund um die Ditmar-Koel-Straße einen exzellenten Ruf – bei Hamburgern wie auch bei Auswärtigen. „Wir mögen die nette Atmosphäre hier“, sagen Ute und Frajo aus Wedel, die mit holländischen Freunden einen „Galao“, portugiesischen Milchkaffee, trinken. „Und wenn man etwas in Richtung Landungsbrücken unternehmen möchte, ist man im Nu dort.“
Mit Beginn der 1970er Jahre wurde das Quartier mit seinem Mix aus Gründerzeithäusern und Neubauten zu einem Schwerpunkt portugiesischer und spanischer Einwanderer. Niedrige Mieten und das damals noch breite Angebot an Arbeitsplätzen im Hafen trugen zu dieser Entwicklung bei. Zig Cafés und Restaurants sprossen aus dem Erdboden – derzeit liegt ihre Zahl bei 40. Früher seien die Spanier ja in der Mehrheit gewesen, sagt José Fernandes vom Restaurant „Casa Madeira“. „Aber jetzt sind es die Portugiesen!“ 1969 war Fernandes vor dem heimischen Militärdienst nach Deutschland geflohen, mit Unterbrechungen lebt er nun seit 35 Jahren in Hamburg. „Ich liebe dieses Viertel“, sagt er. Auch wenn die Atmosphäre früher „echter“ gewesen sei – ohne die vielen Touris, die durch die Gassen strömen. „Aber dafür läuft das Geschäft“, so Fernandes.
Eine, die den Aufsteig ihres Stadtteils von Anfang an miterlebt hat, ist Rita Pereira, die hier alle nur „Mama Rita“ nennen. 1966 aus Portugal eingewandert, später stolze Besitzerin dreier Restaurants – und nun Pensionärin.
„Ich fühle mich angeschissen“, sagt sie. Ein Geschäftspartner habe sie damals übers Ohr gehauen. Trotzdem: Das Leben will sie sich dadurch nicht vermiesen lassen. „Hier gehe ich nicht mehr weg“, berichtet die muntere alte Dame, die in der Reimarusstraße wohnt. Manchmal werde es zwar ein bisschen laut. „Aber im Grunde mag ich es ja, wenn etwas los ist!“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.