Livorno ist wie Altona

Weit weg, aber hat viele Ähnlichkeiten mit Altona: das italienische Livorno. (Foto: bm)

Zwei ganz verschiedene Städte - und viele Ähnlichkeiten

Von Beate Mundt. Keine leichte Frage: Was haben das italienische Livorno und Altona miteinander zu tun? Mehr als gedacht: Als im 16. Jahrhundert der Hafen von Pisa zunehmend versandete, bestimmten 1571 die Medici Livorno zur neuen Basis für den Seehandel; 1608 wurde der zuvor unbedeutende Ort zum ersten Freihafen in ganz Europa erklärt.
Zur Steigerung der Einwohnerzahl gewährte man zugleich Verfolgten und Angehörigen unterdrückter Minderheiten jeder Art Immunität und Asyl.
Eine 1593 erlassene Verfassung sicherte zudem allen Ortsansässigen Freiheit bei der Wahl des Wohnsitzes, dem Betreiben von Handelsgeschäften sowie der Religionsausübung zu. Die dadurch beförderte Ansiedlung von Juden, Korsen, Griechen, Türken und Arabern, französischer Hugenotten, englischer Katholiken, spanischer Moslems und exilierter Russen ebenso wie insolventer Schuldner, begnadigter Sträflinge oder einstiger britischer und holländischer Piraten trug zum wirtschaftlichen Aufschwung Livornos bei.
Hat man Vergleichbares nicht auch schon über Altona gehört? In der Tat: Gleichzeitig mit der Erklärung der Stadtrechte durch den dänischen König Friedrich III. als neuem Landesherrn 1664 wurde Altona nach dem Vorbild Livornos gleichfalls zum Freihafen ernannt und nahm damit in der Folgezeit eine ebenso führende Stellung für den gesamten norddeuropäischen Raum ein. Auch wurde in Hinblick auf die Bevölkerungspolitik ein ganz ähnlicher, vom Gebot der Toleranz bestimmter Ansatz verfolgt. Schon im 16. Jahrhundert fanden hier – unter Belebung der städtischen Wirtschaft - anderswo verfolgte Juden, Katholiken, Calvinisten und Mennoniten eine neue Heimat, auch hier wurde den Einwohnern Gewerbe- und Religionsfreiheit gewährt. Und auch Altona galt seinerzeit vielen Vertretern der Aufklärung als Anziehungspunkt.
Sein Freihafenstatus wurde Livorno 1868 aberkannt, Altona verlor bereits 1852 zunächst sein Recht der zollfreien Ausfuhr in den dänischen Gesamtstaat. Aber während Altona mittlerweile nicht einmal mehr einen Fischereihafen besitzt, wird in Livorno heute von toskanischen Fischern zumindest noch gegen überhöhte Treibstoffpreise gestreikt.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
69
Sven Poslednik aus Harburg | 13.10.2011 | 20:21  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.