Linke holt prominente „Whistleblowerin“ in die Bezirksversammlung

Inge Hannemann ist nicht Mitglied der Linken, wird aber von der Linken in den Wahlkampf und aller Voraussicht nach in die Bezirksversammlung Altona geschickt. (Foto: cvs)

- Und die SPD verliert einen ausgewiesenen Experten für Stadtplanung und Bau.

Inge Hannemann, über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt für ihren Widerstand gegen bürokratische Grausamkeiten im Rahmen von Hartz IV, wird nach der Bezirksversammlungswahl am 25. Mai voraussichtlich neues Mitglied der Bezirksversammlung Altona sein.
Hannemann wurde am Sonnabend vom Bezirksverband der Linken auf Platz 2 der Bezirks-liste gewählt. Die Fraktion der Linken sitzt heute mit fünf Männern und Frauen im Altonaer Rathaus. Mit Platz 2 nach dem Fraktionsvorsitzenden Robert Jarowoy auf Platz 1 hat Hannemann, die kein Parteimitglied ist, also eine ziemlich sichere Fahrkarte ins Rathaus.
Die Altonaerin wurde bundesweit bekannt für ihren Kampf gegen die Hartz-IV-Praxis, Leistungsempfänger zu sanktionieren. Sie war selbst seit 2005 Sachbearbeiterin im Jobcenter Altona und hatte sich dort geweigert, Arbeitslose nach dem vorgegebenen Katalog zu strafen, wenn sie gegen Regeln verstießen. Deswegen, und weil sie in ihrem Blog Hartz-IV-Praktiken öffentlich kritisierte, wurde Hannemann im April 2013 mit sofortiger Wirkung von ihrem Dienst im Jobcenter freigestellt. Sie klagte auf Wiedereinstellung – die juristische Auseinandersetzung läuft.
Hannemann: „Eine Demokratie kann nur mit Engagement von Bürgern stattfinden. Das ist auch mein Ziel als Vertreterin der Bezirksversammlung. Neben Volksentscheiden sehe ich es auch als wichtig an, aktive Politik vor Ort und auf kommunaler Ebene mit zu gestalten.“
Sie kommt, er geht: Ausscheiden aus der Altonaer Bezirksversammlung wird Mark Classen. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzender, ausgewiesener Stadtplanungs- und Bauexperte, tritt nicht wieder zur Wahl an. Mit 39 Jahren sei es für ihn an der Zeit, sich seiner beruflichen Karriere zu widmen. Eine solch zeitaufwendige ehrenamtliche Tätigkeit wie sie die Mitgliedschaft in der Bezirksversammung bedeutet, sei auf Dauer „nur von Rentnern und Studenten“ durchzuhalten. Classen hat als Brotberuf einen Teilzeitjob von 30 Stunden und arbeitet nach eigener Aussage bis zu 40 Wochenstunden als Mitglied der Bezirksversammlung – wie alle Lokalpolitiker auf Basis einer geringen Entschädigung.
Classen: „Mit halber Kraft zu arbeiten, ist nicht mein Stil. Deswegen muss ich jetzt, um beruflich durchzustarten, raus aus diesem Hamsterrad.“ Innerhalb der SPD wird er weiter tätig bleiben.
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