Lieber überfahren werden als den Finger klemmen?

Tür auf - und das geht ganz leicht, weiß der knapp zweijährige Nello.

Bezirksamt lehnt es ab, den Spielplatz Hospitalstraße kleinkindsicher zu machen.

Der für 339.000 Euro eingerichtete neue Spielplatz an der Ecke Hospitalstraße und Schomburgstraße ist toll – aber er hat einen schweren Fehler: die Ein- und Ausgänge. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Von wegen.
Darum gehts: Der Spielplatz, mitten in einem unübersichtlichen, vielbefahrenen Gewirr kleiner Straßen in Altona-Altstadt, wirkt auf den ersten Blick gut gesichert. Der 83 Meter lange und 27 Meter breite Platz ist umgeben von einem massiven Zaun mit sechs Schwingtoren. Diese Tore sind, nach Ansicht vieler Nutzer, der Schwachpunkt des Platzes: Selbst die kleinsten Kinder brauchen sich nur kräftig dagegen zu lehnen ­– schon stehen die Tore offen und die Kinder auf der Straße. Anwohnerin Tanja Totzeck: „Die Türen haben kaum Eigengewicht und schwingen super leicht auf.“
Eltern, Tagesmütter und Kita-Mitarbeiter haben im Bezirksamt darum gebeten, die Tore zu sichern, etwa mit Überwurfriegeln, damit kleine Kinder nicht allein vom Spielplatz auf die Straße laufen. Die Antwort aus dem Bezirksamt: Nein, keine Überwurfriegel. Warum? „Von den Riegeln geht eine Quetschgefahr aus.“
Tagesmutter Asiye Stanitzke kann nicht akzeptieren, dass im Bezirksamt die Gefahr, sich zu klemmen, ernster genommen wird als die Gefahr, dass ein Kind unters Auto gerät. Sie betreut seit vielen Jahren Kleinkinder, ist täglich mit fünf Ein- bis Zweijährigen vor Ort. Sie sagt: „Das ist wirklich ein sehr schöner Spielplatz, aber das Problem muss gelöst werden, bevor etwas passiert. Der Platz ist durch seine Größe unübersichtlich, er hat zu viele Türen, und die liegen zu weit auseinander. Dazu ziehen sie mit ihrer roten Markierung die Kinder geradezu magisch an.“
Eigentlich war der Spielplatz auch als Kommunikationszentrum für Eltern und Nachbarn gedacht. „Aber entspannt da sitzen und sich miteinander unterhalten geht gar nicht, wenn man ständig Angst um die Kleinsten haben muss“, sagt Tanja Totzeck.
Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamts Altona, bietet folgende Lösung an: „Es wird seitens der Verwaltung unkritisch gesehen, wenn die Betreuer, für die Zeit des Aufenthaltes auf dem Spielplatz, die Tore provisorisch mit einen Tuch oder Spanngurt zusätzlich sichern.“
In anderen Worten: Mütter und Betreuer sollen die Tore in Zukunft selbst zubinden.
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