Letzter Tag in der Rathauskantine

Umsatzrückgang: Dirk Wagner, Ex-Betreiber der Behördenkantine im Rathaus Altona, ist sauer auf die Stadt Hamburg. Foto: cvs

Zu teuer für „Fremdesser“: Umsatz dramatisch gesunken:

Von Christopher von Savigny. Zum Abschied gab es Currywurst mit Pommes oder wahlweise Spinatlasagne. Dazu vergünstigte Beilagen und ein Getränk gratis – zur Feier des Tages sozusagen. Obwohl Kantinenchef Dirk Wagner überhaupt nicht zum Feiern zumute ist. „Es ist traurig, dass wir schließen müssen“, sagt er. „Aber es rechnet sich einfach nicht mehr!“
Nach zwölf Jahren musste die Rathauskantine Altona jetzt ihre Pforten dicht machen. Grund: Immer weniger Besucher, dazu die starke Konkurrenz durch umliegende Kneipen und Imbissbetriebe. Über 300 Essen gingen im Untergeschoss des Rathauses anfangs noch täglich über den Tresen – zum Schluss war die Zahl auf 120 Essen zusammengeschrumpft. „Der Senat will die Kantinen kaputtmachen“, schimpft Küchenchef Wagner und meint damit die so genannte „Fremdesserabgabe“, die die Stadt in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht habe. Denn während Rathausangestellte in der eigenen Kantine schon für 3,80 Euro essen können, müssen auswärtige Besucher mindestens 4,60 Euro auf den Tisch legen.
„Dabei leben wir von den Fremdessern“, sagt Wagner. Zwischen 60 und 70 Prozent mache der Umsatz durch auswärtige Besucher aus. „Aktuell haben wir eine Ankündigung bekommen, dass die Abgabe nochmals steigen soll – von 60 Cent auf einen Euro.“ Für Wagner Anlass genug, die Brocken endgültig hinzuwerfen: „Damit kann man nichts mehr verdienen.

Betroffenheit bei den letzten Gästen


Unter den Besuchern, die ein letztes Mal den Weg in die Rathauskatakomben gefunden hatten, herrschte Betroffenheit. „So ein gutes Essensangebot konnte man in der Umgebung vergeblich suchen“, sagt ein Behördenmitarbeiter, der ungenannt bleiben wollte.
„Vielleicht hätte die Kantine mehr Werbung machen sollen, damit mehr Leute von draußen kommen.“ Durch das Aus für den „Rathauskeller“ wird es auch keine Ausstellungen mehr geben: An den Wänden der Kantine hatten regelmäßig junge, noch unbekannte Künstler ihre Werke gezeigt.
Wie geht es nun weiter? Das Personal – eine Vollzeit-, vier Teilzeitangestellte und eine Aushilfe – hat zum Teil schon neue Jobs gefunden, Dirk Wagner übernimmt eine Betriebskantine in Ahrensburg. Die Rathauskantine bleibt vorerst geschlossen – bis sich ein neuer Interessent gefunden hat.
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