Lebendige Geschichte an Häuserwänden

Mitten in Ottensen: Ein Wandbild erinnert in der Kleinen Rainstraße an die Gründer der Konsum- und Produktionsgenossenschaft „Produktion“.

Ein Wandgemälde in der Kleinen Rainstraße erinnert an die Gründer der Konsumgenossenschaft Produktion.

Von Reinhard Schwarz.
Ältere Hamburger werden sich noch an sie erinnern: die „Produktion“, später zur „Pro“ abgekürzt. Die Produktions- und Konsumgenossenschaft gab Arbeitern im ausgehendenden 19. Jahrhundert bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts die Möglichkeit, günstig einzukaufen. Das machte sie unabhängig von den Krämern, deren Lebensmittel häufig überteuert waren. Doch die meisten wissen inzwischen nicht mehr, wie alles anfing mit der Pro. An die Gründer der Genossenschaft erinnert nun ein Wandbild an der Kleinen Rainstraße 21 in Ottensen. Die Künstlerin Hildegund Schuster hat die Porträts von Helma Steinbach (1847-1918), Raphael Ernst May (1858-1933) und Adolph von Elm (1857-1916) an der Wand eines Wohnhauses verewigt.
„Helma Steinbach muss ein kämpferischer Feger gewesen sein“, zeigte sich Kersten Albers, stellvertretender Bezirksamtsleiter, beeindruckt vom Lebensweg der durchsetzungsstarken Genossenschaftlerin. Helma Steinbach lebte mit dem Tabakarbeiter und Sozialdemokraten von Elm zusammen, ebenfalls ein Mitgründer der späteren Pro sowie der genossenschaftlichen Versicherung Volksfürsorge.
Wandbilder über Frauen in der Fischindustrie .
Der jüdische Kaufmann Raphael Ernst May hatte ebenfalls erheblichen Anteil am Aufbau der Genossenschaft, brachte er doch das wirtschaftliche Detailwissen mit. Ein „kaufmännisches Genie“, urteilt Burchard Bösche, der selbst eine Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaften verfasst hat und über die Kunststiftung Hegemann das Wandbild-Projekt unterstützte.
Die Künstlerin Hildegund Schuster hat in Hamburg bereits mehrere Wandbilder erstellt, unter anderem über Frauen, die in der Altonaer Fischindiusrte arbeiteten. „Ich finde es sehr interessant, historische und aktuelle Themen an die Wand zu bringen“, sagt sie, „so dass andere sich damit auseinandersetzen können - oder auch nicht.“
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