„Leben und Leben lassen“

Fische für die Barmherzigen

In alter Zeit war Blankenese ein Fischerort. Die Haupterwerbsquelle war der Fischfang auf der Elbe und der Nordsee. Heute gibt es nur noch zwei Freizeitfischer in Blankenese. Walter Breckwoldt und Jürgen Schülke. Die Ausbeute der zwei Fischer war in diesem Jahr höhst mager. So war es mehr als erstaunlich, dass am Samstag, den 31. Oktober 2015 am Strandweg unweit der ehemaligen Bootswerft Schuldt ein großer LKW mit mehreren Tanks stand auf denen stand: Lebende Fische. Ringsherum eine große Gruppe von Menschen, die ihre heimatlichen Wurzeln im 11 000 Kilometer entfernten China verorten. Eine fröhliche schnatternde Mitgliederschar des Vereins für die Förderung der Buddhistischen Kultur Deutschland e.V. Das hatten wir hier am Blankeneser Strand meines Wissens noch nie. Sicher, die Blankeneser Pastoren Helmut Plank und Klaus-Georg Poehls, hatten am Falkensteiner Ufer schon öfter kleine und große Christenkinder in der Elbe getauft, aber dass Buddhisten auch am Strand ihre Bräuche zelebrierten war mir neu. Aus dem Tank wurden auf Zuruf Fische gekeschert. Mal 20 Kilo, mal 50 Kilo und auch mal 100 Kilogramm dicke 1,5 Kilogramm schwere lebendige Brassen., die dann über den breiten Strand zur Elbe getragen wurden und langsam in die Fluten der Elbe versenkt wurden. Hier verschwanden alsbald die glücklichen Fische in die Tiefen der Elbe. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass die Rettung von Lebewesen auch die Rettung des eigenen Herzens sei und Fische sind schweigsam, aber haben auch Schmerzen und Tränen. Jeder spendet oder opfert Fische, je nachdem, wie wohlhabend er oder sie ist. Man bittet, dass seine Tochter sich endlich gut verheiratet oder dass der nächste Enkel hoffentlich ein Junge sein wird, dann kann die Menge der Fische schnell mal 120 Kilogramm erreichen. Im nächsten Mai werden vor Blankenese vermehrt Brassen gefangen werden. Dann werden die Fischer vor Blankenese sich wundern. Aber Brassen haben viele Gräten und das ist weniger schön.

Heiner Fosseck
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