Leben an der Großbaustelle

Anwohner Christian Kiesdorf macht sich große Sorgen, dass am bald 30 Meter tiefen Loch Einsturzgefahr besteht.
Von Marco Tripmaker.
Wenn Christian Kiesdorf aus dem Fenster seiner schönen Altbauwohnung schaut, kann er kaum fassen, was sich da draußen abspielt: Ein Betonmischer nach dem anderen liefert Zement ab, turmhohe, gelbe Silos versperren den Blick zur anderen Straßenseite. Riesige Bagger fahren quasi durchs Wohnzimmer. „Es ist unfassbar, was hier seit einigen Wochen läuft. Es brummt und dröhnt von 7 bis 20 Uhr“, klagt der 36-Jährige Wirtschaftsingenieur, der seit mehr als zehn Jahren im Haus Beim Grünen Jäger/Stresemannstraße wohnt.
Und es wird noch schlimmer: Denn direkt vor Kiesdorfs Tür baut Hamburg Wasser ein 30 Meter tiefes Bohrloch für ein Entlastungssiel mit 2,50 Metern Durchmesser. Im März soll dort ein Bohrkopf eingelassen werden, der sich unterirdisch bis zum Millerntor fräst. Er hat nach bergmännischem Brauch einen Namen und heißt Jutta, benannt nach Jutta Blankau, der Senatorin der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.
Ein 30 Meter tiefes Loch direkt vor der Haustür? Kiesdorf denkt da sofort an den Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009, bei dem sogar zwei Menschen getötet wurden. Doch Ole Braukmann, Pressesprecher von Hamburg Wasser beruhigt. „Wir haben absolute Experten an Bord, niemand muss sich Sorgen machen. Da bricht nichts zusammen.“
Alternative zum unterirdischen Vortrieb sei eine komplette Sperrung der Budapester Straße gewesen. Derzeit werden die Wände für das Bohrloch mit Zement ausgegossen. „Wir haben Erfahrungen mit derartigen Projekten. Das neue Entlastungssiel ist unbedingt nötig, weil uns klimatisch immer mehr Regen prognostiziert wird“, so Braukmann.
Kiesdorf empfindet die Baustelle als unzumutbar. Niemand kann mehr vor dem Haus parken, die Geschäfte und Restaurants seien von der Straße aus kaum noch sichtbar. „Und dann dieser andauernde Lärm, selbst bei geschlossenem Fenster hält das niemand lange aus“, sagt er.
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1 Kommentar
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Henrik Friske aus Heimfeld | 01.06.2013 | 10:47  
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