Kunstaktion als Kontrastprogramm

Kaum zu entziffern: die Inschrift auf dem Kriegerdenkmal bei der Christianskirche. Foto: pr

An der Christianskirche wird der weniger schönen und gern
verdrängten Phasen aus Altonas Geschichte gedacht

Von Christiane Handke.
Als Kontrast und Ergänzung zum Fest „350 Jahre Altona“ versteht sich eine Kunstaktion am Freitag, 22. August, um 15 Uhr, die nach diesem Datum zwei Wochen lang am Kriegerdenkmal neben der Christianskirche am Klopstockplatz zu sehen sein wird.
Der Gedenkstein in der Nähe des Kirchen-Hauptportals fällt nicht auf – so verschmutzt und überwachsen ist seine Inschrift, dass sie nur schwer lesbar ist. „Die hat es aber in sich“, sagt Pastor Ulrich Hentschel, Studienleiter mit Fachgebiet Erinnerungskultur an der Evangelischen Akademie der Nordkirche. „Für die Heldenverehrung wird ein biblisches Zitat bemüht. Und die dominante Parole ‘Treue um Treue’ ist seit kurzem wegen ihrer besonderen Bedeutung in Hitlers Wehrmacht sogar von der Bundeswehr indiziert.“
Auch der neben der Christianskirche bestattete und hoch verehrte Dichter F.G. Klopstock hat in seinem „Schlachtgesang“ von 1767 zur Kriegsverherrlichung aufgerufen: „Auf! In den Flammentod hinein!“
Die Kunstaktion findet zwischen dem Rathaus Altona und der Christianskirche, zudem dem Kaiserdenkmal fast gegenüber statt, und zwar zeitgleich zu den Feiern des 350 Jahre-Jubiläums von Altona. Sie erinnert an eine oft verdrängte Phase der Altonaer Stadtgeschichte. Der Platz vor dem Rathaus war auch Aufmarschgebiet für die aus Altona in den Krieg ziehenden Soldaten.
Für Christianskirchen-Pastor Frank Howaldt und eine Gruppe von Gemeindemitgliedern ist das Gedenkjahr 2014 ein Anlass, nachzuforschen und zu fragen: Um welche Treue geht es hier? Waren die getöteten Soldaten Helden? Wie kann heute ein Gedenken an die Millionen Toten des Ersten und auch des Zweiten Weltkriegs gestaltet werden?
Am Mittwoch, 3. September, findet um 19 Uhr in der Christianskirche ein Abendgottesdienst zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs statt; ein Gespräch, unter anderem auch über die Kunstaktion, schließt sich an.


Ausführliche Informationen mit Fotos und Texten über Kriegerdenkmäler in Hamburg und den Ersten Weltkrieg sind zu finden unter www.denk-mal-gegen-krieg.de
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