Kulturetage: Gerade eröffnet und schon vor dem Aus?

Fröhliches Lächeln trotz existenzieller Sorgen: Zur Eröffnung der Kultur-etage sprachen Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose (l.), Michael Sachs, Staatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Kulturetagen-Chefin Marlies Strehlow und Baudirektor Janos Brenner (v.l.), vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung. (Foto: rs)
Von Reinhard Schwarz. Letzte Woche eröffnet - schon vor dem Aus? Die Kulturetage Altona könnte nicht lange überleben, befürchtet deren Chefin Marlies Strehlow. Grund: Derzeit halten 17 Ein-Euro-Kräfte den an der Großen Bergstraße 160 gelegenen Betrieb mit Ateliers, Ausstellungsflächen und Büros am Laufen. Wegen der Kürzungen und Streichungen im Bereich der Ein-Euro-Jobs fallen diese „Arbeitsgelegenheiten“, so die amtliche Bezeichnung, zum 31. Dezember weg.
Strehlow im Gespräch mit dem Wochenblatt: „Das ist so kurzfristig, dass wir noch keine Alternative haben.“ Sie hoffe, dass es dennoch quasi in letzter Minute noch eine Lösung in Gestalt von „mehr Arbeitsgelegenheiten“ geben wird. Denn: „Sonst müssen wir dichtmachen.“
Von diesen Problemen war allerdings während der offiziellen Eröffnung der Kulturetage am Montag vergangener Woche nicht die Rede. Baudirektor Janos Brenner vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung schwärmte von einer „kreativen Innenstadt“. Mit Blick auf die Ansiedlung des Ikea-Möbelhauses in unmittelbarer Nachbarschaft, erklärte Michael Sachs, Staatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt: Die Kulturetage bilde „ein Gegengewicht zu den Monstren“, die entstehen würden. Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose, erklärte, es sei „wunderschön, dass wir diese Kulturetage noch eröffnen können“, denn eigentlich seien „die fetten Jahre erstmal vorbei“ und spielte damit auf die Überschuldung von Städten und Gemeinden an.
Rund 1,3 Millionen Euro kamen aus dem Topf der Integrierten Stadtteilentwicklung für den Ausbau der Kulturetage. Im ers-ten Stock arbeiten derzeit 20 Künstler in neun Ateliers, zudem gibt es einen 200 Quadratmeter großen Ausstellungsraum. Im Parterre befindet sich darüber hinaus das Café Kunstnah. Die Kulturetage will sich mit ihren Angeboten vor allem für die Bewohner der umliegenden Stadtteile öffnen, erklärte Marlies Strehlow. Sie äußerte ihr Unverständnis über die Senatspolitik: „Es muss eine Lösung her. Wir haben den Senat und besonders den Sozialsenator gefragt, warum so viele für den Bezirk wichtige Projekte wegfallen.“ Die Antwort darauf steht offenbar noch aus.

Gemeinschafts-Ausstellung in der Kulturetage: Kunst gucken und kaufen
KunstNah, Große Bergstraße 160, lädt für Freitag, 9. Dezember, um 19 Uhr, zur Eröffnung der gemeinschaftlichen (Verkaufs)ausstellung von freien und bildenden Künstlern, Fotografen, Grafikdesignern, Illustratoren, Kulturwissenschaftlern und Autoren der Kulturetag. Einlass ab 17 Uhr.
Die Ausstellung „Wir, neben der Grube: 1000 m² Kulturetage“ ist bis zum 23. Dezember zu sehen; sie ist dienstags bis sonnabends geöffnet. Die Ausstellung wird von Lesungen, Konzerten und Kunstaktionen begleitet.
Mehr Info:www.kulturetagealtona.com
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