Kraut und Rüben in der Gartenvereins-Kasse

In der kleinen grünen Plastiktüte, die Bärbel D. sich vors Gesicht hält, sind die Unterlagen, die sie als Beweis dafür mitgebracht hat, dass sie vom Vereinskonto genommenes Geld wieder eingezahlt hat. Dem Richter reichen die paar Papiere nicht.

Gartenverein Püttkuhl e.V.: Ex-Chefin Bärbel D. (69) wegen schwerer Untreue vor Gericht

Ich fürchte“, sagt der Richter, „wenn wir das dem Landeskriminalamt überlassen, kommen gruselige Sachen dabei heraus.“ Schon so ist es gruselig genug: Die langjährige Vorsitzende der Gartenfreunde Püttkuhl, Bärbel D. (69) steht vor Gericht, weil sie von Januar 2009 bis Juni 2010 kleckerweise mit der Bankkarte ihres Vereins insgesamt 25.050 Euro abgehoben hat. So kam sie auf ein durchschnittliches zusätzliches Monatseinkommen von 1.000 bis 2.000 Euro.
Empört reagiert die trist in Beige und Braun gekleidete Frau auf die Pressevertreter vor Ort und erklärt zu Beginn der Verhandlung dem Richter: „Die behaupten, ich hätte 25.000 Euro unterschlagem. Das werden wir ja wohl aus der Welt schaffen!“
Doch so einfach ist das nicht mit dem „Aus-der-Welt-Schaffen.“ Die Staatsanwältin liest die ellenlange Liste der Fälle vor, in der die ehemalige Vereinschefin ihre „Befugnis missbraucht“ haben soll, um Geld abzuheben, das ihr nicht gehörte. 84 Mal hat D. zugegriffen, am Bankautomaten oder im Internetcafé Bargeld geholt - meist nur 100 oder 200 Euro, nie mehr als 700 Euro. Sie ist wegen gewerbsmäßiger schwerer Untreue angeklagt - jeder einzelne Fall mindestens mit einem halben Jahr Gefängnis zu bestrafen.
Doch Bärbel D. hat eine Erklärung: 2009 habe derjenige im Verein, der für die Bezahlung der Stromrechung zuständig war, Geld unterschlagen. Sie habe ihm damals rund 10.000 Euro geliehen. „Das wissen auch alle anderen im Verein!“, behauptet sie. Dann habe sie mitgekriegt, dass sich jemand anders als Vorsitzender habe aufstellen lassen. „Da hab ich mir das Geld wiedergeholt! Ich hätte das sonst nie wiederbekommen!“
Außerdem habe sie auch immer wieder Bargeld auf das Vereinskonto eingezahlt, behauptet Frau D. und versteigt sich zu der Aussage: „Ich hätte an sich noch was zu bekommen!“ Leider hat sie nur ein paar Einzahlungsbelege dabei - komplett ungeordnet, und es wird nicht klar, woher das Geld kam. Eins ist sicher: Im Gartenverein Püttkuhl muss es finanziell wie Kraut und Rüben durcheinander gegangen sein.
Dem Richter reichts: „Warum gibt es keine Aufstellung, keine Gegenrechnung?! Da muss Grund reingebracht werden, sonst geht das Ganze zum Landeskriminalamt!“ Und er grummelt: „Versteh’ nicht, warum man mir diese Arbeit aufhalst!“ Schluss der Vorstellung: Bärbel D. muss ihre Papiere aufräumen - dann wird sie, besser vorbereitet, noch einmal vor Gericht antreten müssen.
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