Kompromiss im Kaffeegarten-Streit?

Blankeneser Idyll: Seit 1877 gibt es den „Kaffeegarten Schuldt“. Hier können bis heute Gäste ihren eigenen Kaffee mitbringen und kochen lassen. Damals eine aus der Not geborene Geschäftsidee und ein Zusatzverdienst für die Frauen, deren Männer monatelang auf See waren. Foto: rs

Treppenviertel: Nachbarn streiten seit Jahren um illegal gebautes Terrassendach

Von Reinhard Schwarz. Es ist ein Kleinod unter den gastronomischen Angeboten im Blankeneser Treppenviertel: der „Kaffeegarten Schuldt“. Vor fast 140 Jahren aus der Not geboren, ist das
versteckt liegende Café seit Jahrzehnten Ziel vieler Besucher, die von dort einen sagenhaften Blick auf die Elbe genießen. Doch ein Dauerstreit unter Nachbarn stört seit Jahren das Zusammenleben.
Worum geht es? Zankapfel ist die Terrasse des Lokals. Holger von Elm, Inhaber des Kaffeegartens in fünfter Generation, ließ 2003 die provisorische Überdachung der Terrasse durch ein massives Holzdach ersetzen – ohne Genehmigung, aber jahrelang mit stillschweigender Duldung der Behörden.
Was sagt die Kontrahentin? Gegen das illegal gebaute Dach streitet seit Jahren seine Nachbarin, Magrit Schulte-Haubrock, ehemalige Besitzerin des Süllberg-Hotels. „Ich will den Kaffeegarten dort halten, will aber nicht, dass dort zum zweiten Mal ein Schwarzbau entsteht“, erklärt die Blankeneserin. Mittlerweile könne sie sich mit dem Dach arrangieren: „Aber nur, wenn er weitere Bautätigkeiten auf meinem Grundstück unterlässt.“ Sie befürchtet, von Elm wolle das Lokal durch einen Wohnbau ersetzen.
Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts hätte von Elm das Holzdach schon längst abreißen müssen, so Schulte-
Haubrock. „Es war unser Anwalt, der um eine Aussetzung dieses Beschlusses gebeten hat. Ich habe gesagt: Geben wir ihm noch eine Chance.“
Was sagt der Inhaber des Kaffeegartens? Von Elm hält sich bedeckt: „Wir führen aktuell Verhandlungsgespräche mit der Gegenseite, mehr möchte ich dazu nicht sagen.“ Er gibt aber zu verstehen, dass ein Abriss des Terrassendachs seine Existenz gefährden würde.
Was sagt das Bezirksamt Altona? Das Bezirksamt will bis zum 1. September eine „Kompromisslösung“ abwarten, die als Ergebnis der Gespräche erwartet wird und verzichtet bis dahin „auf die Durchsetzung des Rückbaus“, erklärt Pressesprecher Nils Fischer. Die Terrassenüberdachung, so Fischer, „steht (...) nicht mit dem geltenden Recht in Einklang“.
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