„Komplette Kehrtwende“ am Hohenzollernring

Im vergangenen Sommer hatten sich die Anwohner bereits für eine „maßvolle Bebauung“ ihres Hinterhofes eingesetzt. Foto: Reinhard Schwarz

Otte 60: SPD-Vorschlag für 170 Flüchtlingswohnungen stößt Anwohner vor den Kopf.

Monatelang haben die Anwohner der Initiative „Otte 60“ mit den Bezirkspolitikern über eine Bebauung ihres Hinterhofs diskutiert. Nun stößt die SPD-Altona die Bürger mit einem Vorschlag vor den Kopf.
Im vergangenen Sommer hatten sich Verwaltung, Politik und Bauträger, die Otto Wulff Bauunternehmung, als ersten Kompromiss auf einen Architektenwettbewerb geeinigt (das Elbe Wochenblatt berichtete). Der nächste Runde Tisch wurde bereits geplant. Doch nun kommt alles ganz anders: Die SPD präsentierte am vergangenen Freitag im „Hamburger Abendblatt“ Pläne für 170 Wohnungen für bis zu 850 Flüchtlinge.
„Ich halte es für einen unmöglichen Stil, so mit den Anwohnern umzugehen“, sagt Hannes Classen von „Otte 60“. „Selbstverständlich begrüßen wir es, wenn Flüchtlinge in unserem Innenhof Wohnungen bekommen, selbstverständlich werden wir sie als neue Nachbarn willkommen heißen. Der am Runden Tisch ausgehandelte und vom Planungsausschuss bestätigte Kompromiss gibt dafür jede Menge Spielraum. Im Sinne der Integration der Flüchtlinge halten wir Wohnungsbau für eine gemischte Bevölkerung zudem für sinnvoller, als wenn ausschließlich Flüchtlingswohnungen gebaut werden“, so Classen weiter.
In den bislang vier Runden Tischen hatte die Initiative stets betont, dass ihre Schmerzgrenze bei einer dreigeschossigen Bebauung mit etwa 7.000 Quadratmetern Fläche und 70 Wohnungen liege. Es müsse eine „bauliche Kaputtverdichtung“ des Stadtteils verhindert werden.
In den vergangenen Monaten hatte die Otto Wulff Bauunternehmung „qualitativ hoch- wertigen Städtebau“, sprich überwiegend Luxuswohnungen, auf der begehrten Baufläche im Sinn gehabt.
Der neue Vorschlag sei eine komplette Kehrtwendung. „Das Bauvolumen ist etwa zweieinhalb mal so groß wie vom Runden Tisch und vom Planungsausschuss beschlossen. Wir appelieren an die Politik, zu dem mit den Bürgern vereinbarten Kompromiss zurückzufinden – damit bald auch in unserem Hinterhof maßvoll und sozial vertäglich gebaut werden kann“, so Classen.
Möglicherweise werden sich beide Seiten auf der Sitzung der Bezirksversammlung am Donnerstag, 28. Januar, im Altonaer Rathaus gegenüber stehen. Die SPD-Fraktion möchte das Thema „Ottensen 60“ (so heißt der bislang gültige Bebauungsplan, der für die geplante Bebauung geändert werden müsste) offenbar auf die Tagesordnung bringen.

Weitere Infos
Der Streit um die Hinterhofbebauung wird auch im Internet ausgefochten. Beide Seiten stellen ihre Positionen dort aufwändig dar.
Die Anwohner unter www.otte60.de

Otto Wulff hält nun mit einer eigens eingerichteten
Projektwebsite dagegen www.ottensen60.de
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1 Kommentar
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Michael den Hoet aus Bahrenfeld | 27.01.2016 | 18:25  
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