Kita auf verlorenem Posten?

Sichtschutz an der Kita, damit die Kinder die Trinkerszene nicht ständig vor Augen haben.

Kindertagesstätte an der Alsenstraße leidet unter benachbartem Trinkertreff.

Die Kindertagesttätte „Aktive Erdmännchen“ an der Alsenstraße ist neu, hat großzügige, schöne Räume, ist mit Bahn und Bus leicht erreichbar, die Erzieherinnen sind engagiert. Aber die Einrichtung wirkt verwaist. Jetzt haben vier weitere Familien ihre Kinder abgemeldet. Was ist da los?
Es liegt nicht an der Kindertagesstätte. Es liegt an ihren Nachbarn. In Sichtweite der Kita trifft sich seit Jahren eine Gruppe von Menschen, meist ältere Männer, die den Tag vor Ort mit Alkoholtrinken und mehr oder weniger lautstarken Disputen und Dis-kussionen verbringen. Unangenehm: Sie urinieren im Freien, und seit die Kita eingerichtet ist, auch gern an deren Zaun. Der ist mit Plakaten behängt, die Kinderporträts zeigen. Und, so die Kitaleiterin empört: „Die pinkeln auf die Gesichter der Kinder!“ Sie selbst sei unflätig bepöbelt worden, als sie versuchte, Wildpinkler zu verscheuchen.
Die Kita wurde im Januar eröffnet. Den Trinkertreff gibt es schon viel länger. Doris Foitzik, Geschäftsführerin des nahegelegenen Bürgertreffs Altona-Nord, kennt die Thematik: Im Bürgertreff tagt regelmäßig das Stadtteilforum Altona-Nord, dort steht das Thema immer wieder auf der Tagesordnung: Nachbarn beschweren sich. Es gab Bürgerbefragungen vor Ort und einen Workshop. Foitzik: „Das Ergebnis ist immer dasselbe: Trinken in der Öffentlichkeit steht nicht unter Strafe. Es gibt keine rechtlichen Möglichkeiten, die Situation zu ändern.“ Zumal die Polizei bestätigt, dass bis auf das Urinieren in der Öffentlichkeit hier nichts Unrechtes passiert.
Erreicht wurde lediglich die Zusage aus dem Bezirksamt, Dixi-Klos aufstellen zu lassen. Doch das ist anscheinend eine schwere Geburt: Die Zusage kam im Februar 2013. Immer noch steht kein Klo. Letzte Nachricht aus dem Bezirksamt: Im April wird es aufgebaut.
Die Kita-Leiterin kann nicht verstehen, wieso die Stadt nicht mehr unternimmt, und fragt: „Nach zehn Jahren wäre es doch an der Zeit, diese Last in einen anderen Stadtteil zu verlagern – oder hat der Mensch aus Altona-Nord „Lebenslänglich“ mit diesen Nachbarn?“
Es sieht so aus. Ein Bezirksamtsmitarbeiter, der nicht genannt werden will: „Die wird man nie da weg bekommen.“

WAs meinen Sie?
„Da hat der Kita-Betreiber doch selbst Schuld. Warum erkundigt er sich nicht über die Gegend, bevor er die Kita aufmacht? Jetzt zu versuchen, Leute zu vertreiben, die ihm nicht ins Konzept passen - das geht gar nicht.“
Ist das Ihre Meinung? Oder:
„Wir können doch nicht zulassen, dass eine Gruppe Trinker eine Kindertagesstätte vertreibt! Das führt doch dahin, dass Kitas gar nicht mehr in Problemviertel ziehen. Aber gerade dort brauchen wir die beste Erziehung und Betreuung für unsere Kinder!“
Schreiben oder mailen Sie unter Stichwort „Kita“ an: Elbe Wochenblatt Redaktion, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg, post@wochenblatt-redaktion.de
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