Kinderpornografie: CDU-Politiker angeklagt

Hand in Hand mit seiner derzeitigen Lebensgefährtin kommt Lars M. ins Gericht.

Verhandlung gegen Lars M. (53) im Amtsgericht Altona:
47 kinderpornografische Dateien auf seinen Computern

Von Christiane Handke und Miriam Kopf.
Lars M. (53), ehemaliger Ortsvorsitzender der CDU Nienstedten und dort immer noch Mitglied des Vorstands, steht vor Gericht. Der Vorwurf: Besitz kinderpornografischer Bilder. 47 einschlägige Dateien sollen auf seinen PCs gefunden worden sein. Die Bilder sind schockierend, zeigen nackte kleine Mädchen bei pornografischen Handlungen an erwachsenen Männern.
Bei seiner Befragung vor Gericht am Dienstag redet Lars M. wie ein Wasserfall. Er fühlt sich, das wird deutlich, völlig im Recht. M. holt weit aus, beschreibt Details seiner Ehe, zeitweise in nichtöffentlicher Verhandlung. Er redet ruhig und gewandt, darin ist er als Politiker geübt. Aber auf seiner Stirn glänzen Schweißperlen.
Schuld an allem sei seine Ex-Frau Christina. 2005 hatte er die Moldawierin geheiratet, da war er 43, sie 18 Jahre alt. Im Januar 2012 sei sie ausgezogen. In den Wochen und Monaten danach müsse sie sich dann zu seiner Wohnung Zugang verschafft haben, um die Bilder auf seinen Computer zu laden. Psychisch labil sei sie, „die will das Leben eines Menschen bösartig zerstören.“ Und wenn es nicht sie selbst war, dann ihr Vater oder ihr Bruder – alle hätten Schlüssel zu seiner Wohnung gehabt. Er selbst sei gar nicht zu Hause gewesen, als die Bilder aus dem Internet auf den Computer geholt wurden. Er sei essen gewesen, in Lüneburg und in Heimfeld. Kann er das mit Belegen beweisen? Kann er nicht, er habe bar bezahlt.
Lars M. ist als Politiker in den letzten Jahren kaum in Erscheinung getreten. Doch das lag nicht an ihm. Er selbst wollte im Mai bei den Wahlen zur Bezirksversammlung antreten, wurde aber von Parteifreunden daran gehindert. Zu frisch war denen noch der letzte Skandal um Lars M. in Erinnerung: 2008 hatte der Beamte im Bundesamt für Flüchtlinge hartnäckig geleugnet, Vater des Kindes einer aus Afrika stammenden Frau zu sein. Erst als ein DNA-Test bewies, dass nur er der Vater sein könne, knickte er ein.
Wie damals fielen auch jetzt seine Parteifreunde aus allen Wolken, als sie von den neuen Vorwürfen aus der Presse erfuhren. Ein Kreisvorstandsmitglied zum Wochenblatt: „Kinderpornografie – schlimmer geht es kaum noch. Danach kommt nur noch Mord! Wenn auch nur ein Fitzelchen an den Vorwürfen dran ist, dann starten wir ein Parteiausschlussverfahren.“
Die Verhandlung wird im Oktober fortgesetzt.
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