Keine großen Klötze für die Flüchtlinge

Ina Möller (l.) leitete die Debatte des Bürgerforums Eidelstedt. Daneben (von links): Marianne Thiesen (CDU), Meike Rothfritz und Werner Meyer-Gehren. (Foto: rs)

Bürgerforum Eidelstedt schreibt einen offenen Brief an Bürgermeister,
Behörden und Parteien

Von Reinhard Schwarz

„Getto“, „große Klötze“, „Autolärm“, „Abgasbelastung“ – das waren nur einige der Stichwörter, die von Teilnehmern des Bürgerforums Eidelstedt in die Debatte um die 400 geplanten Flüchtlingswohnungen am Hörgensweg geworfen wurden.
Rund 30 Interessierte waren in die Aula der Max-Traeger-Schule gekommen, um dort über aktuelle kommunalpolitische Themen zu sprechen. Im Zentrum der Diskussion stand ein Entwurf für einen offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) sowie Parteien und Behörden.
In dem schließlich mit 20 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung gebilligten Schreiben wird eine „kleinteilige Wohnraumversorgung“ für Flüchtlinge gefordert. Stimmberechtigt waren übrigens nur Teilnehmer, die bereits drei Mal am Bürgerforum teilgenommen hatten.
Die von Senat und Behörden geplanten großen Wohneinheiten lehnten die Mitglieder des Bürgerforums durchweg ab: „Es ist allgemeiner Konsens, dass große Unterbringungen eine Integration erschweren“, heißt es in dem Brief. „Eine kleinteilige Wohnraumversorgung kann nur mit Kontakten vor Ort gelingen.“ Soll heißen: Alle finden, es sollten keine großen Wohnblocks mit Flüchtlingswohnungen gebaut werden, sondern kleinere Häuser. Und dazu muss man mit den Nachbarn reden.
Das Bürgerforum warnt auch vor schnell zusammengeschusterten Billiglösungen für die Zuwanderer: „Wenn jetzt bei der Schaffung der neuen Räume nicht auch in Qualität investiert wird, besteht die Gefahr, dass wir später umso mehr 'Sozialraumreparatur' betreiben müssen.“ Weiterhin wird gefordert, dass die Eimsbütteler Stadtteile, die keine Flächen für Unterkünfte zur Verfügung stellen, sich zumindest finanziell und mit Fachkräften an der Integration der Schutzsuchenden beteiligen.

Gebiet am Hörgensweg „soziales Sorgenkind“
Teilnehmer der Debatte kritisierten vor allem, dass mit
Eidelstedt der „sozial schwächste“ Stadtteil Eimsbüttels insgesamt circa 3.000 Flüchtlinge an Hörgensweg und Duvenacker aufnehmen soll. Zudem gelte das Gebiet am Hörgensweg mit seinen Hochhäusern selbst innerhalb Eidelstedts als soziales Sorgenkind mit einem hohen Anteil an Hilfeempfängern. Es diene nicht unbedingt der Integration, „wenn man in den 400 bis 600 Wohnungen ausschließlich Flüchtlinge unterbringt“, monierte ein Debattenteilnehmer. „Das Problem werden wir nie wieder los.“
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1 Kommentar
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Horst Klemeyer aus Eidelstedt | 12.02.2016 | 18:12  
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