Keine Bahnstrecke über den Deckel?

Der Autobahn-Deckel in Altona wird ab 2020 gebaut – aber ist auch eine Bahntrasse für die geplante Linie 5 vorgesehen? Foto: pr

Verkehrsinitiative aus Hamburgs Westen
vermisst Planungen für Schnellbahn über Autobahntunnel

Carsten Vitt, Hamburg-West

Der Deckel über die A7 in Altona und Othmarschen wird ab 2020 gebaut. Vorige Woche stellte Andreas Rieckhof, Staatsrat der Verkehrsbehörde, in Altona die Pläne vor, um Hamburgs meistbefahrene Autobahn in einem Tunnel verschwinden zu lassen (siehe Kasten). Aktive der Verkehrsinitiative Starten:BahnWest! vermissen aber etwas: Eine Trasse für die geplante Bahn in Hamburgs Westen. Bisher ist in den Plänen nicht vorgesehen, wie und wo eine neue Linie – sei es als U-Bahn oder als S-Bahn – über den Deckel oder darunter hindurch fahren soll.
Seit gut drei Jahren werden die jahrzehntelang nicht realisierten Pläne für eine Schnellbahnlinie nach Lurup und in den Osdorfer Born wieder diskutiert – es gibt sieben Varianten für den Westen (das Elbe Wochenblatt berichtete). Die Initiative bemängelt, dass die Politik „über Variantenprüfungen der westlichen U- oder S-Bahn-Strecken“ noch nicht hinausgekommen sei. „Klar ist aber, dass jede der Versionen die A7 queren müsste.“ Auch mit dem Deckel werden nun noch keine Fakten geschaffen.
Richard Lemloh, Sprecher der Verkehrsbehörde, sagt, dass bisher nur die bestehende S-Bahn-Brücke der Linien S1/11 zwischen Behringstraße und Baurstraße berücksichtigt worden sei. „Die Überlegungen zu einer möglichen S- oder U-Bahn-Anbindung in Richtung Lurup sowie zur Linienführung befinden sich noch in einer frühen Phase. Es wird jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein, die Autobahn mit einer Brücke zu überqueren oder mit einem Tunnel zu unterqueren.“ Heißt: Eine Trasse ist problemlos nachzuplanen.
Die Aktiven aus Lurup, Bahrenfeld und dem Osdorfer Born sehen in einer Bahn auch die Lösung vieler Verkehrsprobleme im Hamburger Westen: Zu hohe Stickoxid-Messwerte in Altona, Gesundheitsgefahren für Fußgänger und Radfahrer, der alltägliche Stau, zum Beispiel auf der Luruper Hauptstraße sowie der Luruper und Bahrenfelder Chaussee. „Es ist höchste Zeit für ein Umdenken. Die Stadt muss wirksame Maßnahmen ergreifen, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Das erreicht man nicht mit zusätzlichen Straßen, sondern mit einer schnellen, zuverlässigen und bequemen Schnellbahn in den Hamburger Westen“, so Jürgen Beeck, Sprecher der Initiative Starten: Bahn West!

Deckel-Pläne
In Altona / Othmarschen wird die A7 in einem 2,2 Kilometer langen Tunnel zwischen Behringstraße und Holstenkamp verschwinden. Baubeginn soll 2020 sein. Dauer: etwa sechs Jahre. Die Pläne gehen auf Vorschläge der Bürgerinitiative „Ohne Dach ist Krach“ zurück, die jahrelang für einen „Deckel“ über der Autobahn kämpfte. Hamburg baut drei Tunnelabschnitte in Altona, Stellingen und Schnelsen. Auf das Bauwerk werden Kleingärten umziehen, auf deren alten Parzellen entstehen dann Wohnungen. Insgesamt soll der Tunnel den Lärm der Autobahn eindämmen und die Lebensqualität in den anliegenden Stadtteilen verbessern. Baukosten insgesamt: 837 Millionen Euro. Der Abschnitt Altona kostet 340 Millionen Euro, Hamburg übernimmt davon 100 Millionen Euro.
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