Kein typischer Direktor

Torkild Hinrichsen, in Altona in einer Dänisch sprechenden Familie aufgewachsen, wusste schon als Kind, was er werden wollte: Museumsdirektor.

Torkild Hinrichsen, Leiter des Altonaer Museums, hat den Ruhestand angetreten.

Torkild Hinrichsen, Direktor des Altonaer Museums, ist in den Ruhestand gegangen. Seit Jahrzehnten die Seele des Museums, agierte er immer eher zurückgenommen und stand ungern im Rampenlicht. Bis es nicht anders ging. Als „sein“ Museum geschlossen werden sollte, trat er aus dem Schatten heraus und bewies Mut zum offenen Wort und Fähigkeit zu treffender Rhetorik. Damit wurde er innerhalb von Wochen zu Deutschlands bekanntestem Museumsdirektor.
Er ist ein Feingeist und ein Denker, ein hintersinniger und witziger Redner – nichts davon sieht man ihm an. Wer Professor Dr. Torkild Hinrichsen unvorbereitet begegnete, konnte meinen, da sei ein Waldbursche aus Alas-ka oder Tirol im Museum zu Gast. Graue Mähne, Vollbart, und Klamotten, die für jede Lebenslage taugen: Cordhose, kariertes Hemd, darüber die jagdgrüne oder -beige Weste mit den vielen Taschen für unentbehrliche Dinge.
1978 kam Hinrichsen, der nach eigener Auskunft schon mit vier Jahren Museumsdirektor werden wollte, ans Altonaer Museum. Dort war er wissenschaftlicher Mitarbeiter, ging einige Jahre nach Dortmund und kam dann zurück, um in Altona zu bleiben. 1986 wurde er stellvertretender Museumsdirektor. Das blieb er jahrzehntelang. Mehrmals wurden ihm Direktoren im wahrsten Sinn des Wortes „vorgesetzt“. Sie gingen, er blieb. 2007 übernahm er das Amt in schwierigen Zeiten. Dem Altonaer Museum ging es finanziell schlecht. Schnell warnte der unbequeme Museumsleiter öffentlich vor der drohenden Schließung, bekam wegen seiner Offenheit Druck „von oben“, wurde abgemahnt – und ließ sich keinen Maulkorb anlegen. So urteilte er öffentlich in einem Interview über seinen Dienstherren: „Den (Kultur-)Senator wird man leicht los, der ist schon reif zum Pflücken.“
Hinrichsen rief zum offenen Protest auf und fand die Altonaer an seiner Seite. Er und sein Museum erlebten eine ungeheure, bundesweite Publicity.
Das war 2010. Das Museum ist – vorerst – gerettet. Geschlossen ist es derzeit, weil es aufwendig renoviert wird, eine komplett neue Brandschutzanlage erhält. Im Mai wird wiedereröffnet. Ein neuer Direktor ist noch nicht in Sicht. Dr. Vanessa Hirsch hat die Leitung des Hauses kommissarisch übernommen.
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