Kein Schutz für schöne alte Häuser in der Breite Straße

Die Farbe platzt ab. Oben eine Inschrift mit den Namen der Architekten „Schaar und Hintzpeter“.

Bauprojekt Breite Straße: Kritik an Abriss von Gründerzeithäusern.

Von Christopher von Savigny.
Die Häuser in der Breiten Straße 114 und 116 machen einen verwahrlosten Eindruck: Die Farbe blättert von der Fassade, auf dem Gehweg davor sprießt Löwenzahn. Eine der Haustüren ist mit einem dicken Vorhängeschloss gesichert. Keine Frage: Die Häuser sind verlassen.
Auf Beschluss des Bauausschusses Altona sollen die vor 125 Jahren errichteten Gebäude jetzt abgerissen werden und einem Neubau weichen. Dagegen wehrt sich die Hamburger Initiative „Anna Elbe“, die gegen die Privatisierung von städtischem Raum kämpft. „Wir fordern, dass das Ensemble unter Denkmalschutz gestellt wird“, sagt ein Mitglied, das nicht namentlich genannt werden möchte. Besonders empörend findet „Anna Elbe“ die Tatsache, dass das Bezirksamt bereits vor eineinhalb Jahren über den laut Hamburger Mietgesetz illegalen Leerstand informiert wurde – ohne das etwas passierte. „Im November 2010 haben wir eine Anzeige wegen Leerstands von mindestens zehn Wohnungen eingereicht“, bestätigt Sylvia Sonnemann, Geschäftsführerin des Vereins „Mieter helfen Mietern“.
Nach Auskunft des Bezirksamts Altona wurde damals ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Sprecherin Kerstin Godenschwege. Der Eigentümer sei bekannt. „Der Besitzer hat zwischendurch gewechselt, das hat die Sache verkompliziert.“ In Planung sind laut Internetseite des Architektenbüros Heyden und Hidde zwölf kleine und mittelgroße Wohnungen, dazu fünf „Townhouses“ und zwei familiengerechte Maisonettewohnungen mit Dachterrasse. Mark Classen (SPD) verteidigt das Vorhaben: „Hamburg braucht neue Wohnungen“, sagt er. Und in diesem Fall komme ein Neubau eben sehr viel billiger als eine Sanierung. „Auch wenn der lange Leerstand natürlich zu bedauern ist.“
Unter Schutz gestellt wird das Ensemble wohl nicht: „Der Fokus der Denkmalpflege liegt in der Breiten Straße nicht auf den Bauten des 19. Jahrhunderts, sondern vielmehr auf den historisch bedeutenden und zugleich stadtbildprägenden Neuplanungen der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Stefan Nowicki, Sprecher der Kulturbehörde.
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
23
Reiner Bachmeier aus Altona | 26.07.2012 | 09:21  
10
Volker Gajewski aus Altona | 26.07.2012 | 10:54  
84
anna elbe aus Altona | 26.07.2012 | 12:22  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.