Kein Platz im Pik As

„Die Situation ist eng, das wollen wir nicht beschönigen“: Rembert Vaerst, Geschäftsführer von „fördern und wohnen“, will Platz für Obdachlose schaffen.

Deswegen sollen Dauerbewohner jetzt ausquartiert werden

Von Christopher von Savigny.
In der Obdachlosenunterkunft „Pik As“ in der Neustädter Straße gibt es nicht genug Schlafplätze. Jetzt will man reagieren. „Wir werden unsere 70 Dauerbewohner schrittweise in die Einrichtung in Jenfeld umsiedeln“, sagt Rembert Vaerst, Geschäftsführer des Trägerunternehmens „fördern und wohnen“. Derzeit verfügt das „Pik As“ über 210 Übernachtungsplätze, rund ein Drittel davon ist Menschen vorbehalten, die einen Rechtsanspruch auf eine öffentliche Unterkunft haben und dort ständig wohnen. Erst in diesem Winter hatte die Sozialbehörde das „Pik As“ um 20 Betten erweitert.
Mit insgesamt rund 450 Plätzen finanziert der Senat in diesem Jahr nach eigenen Angaben das größte Winternotprogramm für Obdachlose, das es bisher in Hamburg gegeben hat. Trotzdem scheint das Angebot nicht auszureichen: Im Pik As bewerben sich bis zu 320 Menschen pro Abend um einen Schlafplatz – wer keinen mehr bekommt, muss mit dem blanken Boden vorlieb nehmen. „Natürlich ist die Situation eng, wir wollen das gar nicht beschönigen“, sagt Vaerst. „Aber wir sind schließlich in einem Obdachlosenasyl, da ist das eben so.“
Viele der Wohnungslosen, die Abend für Abend die öffentlichen Unterkünfte der Stadt aufsuchen, stammen aus Polen, Rumänien und Bulgarien. „Wir haben generell einen Ansturm aus Osteuropa“, erklärt Vaerst. Das liege an der guten wirtschaftlichen Situation in Deutschland und an der Erweiterung der Europäischen Union. „Die Leute können sich frei bewegen“, so Vaerst. Bei rund 25 Prozent liege gegenwärtig der Anteil der Osteuropäer im „Pik As“ – im Vorjahr sei der Prozentsatz kaum erwähnenswert gewesen.
Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man Hamburgs größte Unterkunft in der Spaldingstraße mit einbezieht: Dort stammen nach Angaben der Sozialbehörde nur 18 Prozent der Übernachtungsgäste aus der Hansestadt.
Aufgrund der steigenden Zahl von osteuropäischen Obdachlosen hatte die Stadt bereits im Winter 2011/2012 eine bundesweit einzigartige Beratungsstelle für Unterkunftssuchende aus diesen Ländern eingerichtet.
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