Kein Platz für wilde Tiere

Katharina Neeb (mit Jacko) und Christian Erdmann betreiben die Wildtierstation Hamburg.
 
Der ehemalige Schießplatz im Volkspark ist seit Januar nicht mehr in gebrauch. Schon vorher hatten die größten Teile des 40.000 Quadratmeter großen Geländes Ähnlichkeit mit einem Urwald.

Betreiber der Wildtierstation wollten ehemaligen Schießplatz pachten - abgelehnt.
Schießplatz am Volkspark bleibt als Brachfläche liegen. Wildtierstation sucht weiter.

Schwer enttäuscht sind die Betreiber der Wildtierstation Hamburg, Christian Erdmann und Katharina Neeb. Seit bald zwei Jahren sitzen sie in einem kleinen Büro an der Friedensallee - ohne Freigelände. Das brauchen sie auf lange Sicht aber, um verletzte Tiere, die ihnen gebracht werden, gesundzupflegen und für die Auswilderung vorzubereiten. Jetzt hatte die Stadt ihnen den ehemaligen Schießplatz am Volkspark in Aussicht gestellt - um dann doch abzusagen.
Erdmann und Neeb hatten bei der Sprinkenhof AG (SpriAG), Hamburgs Immobilienverwaltungs- und Vermietungsgesellschaft, angefragt. Sie wollten die ehemalige Schießanlage, 36.240 Quadratmeter am Schulgartenweg, pachten, um dort eine Auffangstation für Wildtiere einzurichten. Die Reaktion der SpriAg auf ihre Pläne sei so positiv gewesen, „dass wir die Sektflasche zwar noch nicht geöffnet, aber schon auf dem Tisch stehen hatten“, erzählen Erdmann und Neeb
Dann kam der Brief, der alles festklopfen sollte. Doch im Umschlag war kein Vertrag, sondern die Absage. Die der SpriAGübergeordnete Finanzbehörde habe Nein gesagt - weil auf der Schießanlage Wohnungen gebaut werden sollten.
So war das alles nicht, widerspricht Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde: „Zusagen an die Wildtierstation wurden durch die Sprinkenhof AG nicht erteilt.“ Man habe das Gelände lediglich gemeinsam besichtigt. „Seitens der Mieterin wurde ein länger-fristiger Mietvertrag gefordert. Die Finanzbehörde hat dem nicht zugestimmt.“
Also sollen Wohnungen auf dem Schießplatz gebaut werden? Nein, das sei akut nicht geplant, so Stricker. „Es gibt keine konkreten Nutzungsabsichten über diese Fläche.“ Diese müsse ohnehin erst saniert werden. Einen Termin für die Sanierung gibt es nicht. Eins ist jedoch sicher: Bis sie von Altlasten befreit ist, wird sie niemand mieten dürfen. Ja, sie darf noch nicht einmal betreten werden.
Den Schießplatz so herzurichten, dass er entweder dem Park zugeschlagen oder als Baugrund freigegeben werden könnte, wird viel kosten. Wieviel, will oder kann die Finanzbehörde nicht sagen. Recherchen des Wochenblatts ergaben: Der Betrag wird sechsstellig.
Die Stadt wird dieses Geld erst in die Hand nehmen, wenn sie endgültige Pläne für das Gelände hat. Fazit: Der ehemalige Schießplatz wird in einen jahrelangen Dornröschenschlaf fallen. Und die Wildtierstation wird weitersuchen müssen.

Hintergrund
Die Wildtierstation Hamburg gGmbH, Friedensallee 128, wurde 2010 gegründet. Sie will zwei Aufgaben erfüllen. 1. Wildtiere, die in Hamburg verletzt aufgefunden werden, zu pflegen und wieder auszuwildern. 2. Schulung, Information und Beratung zum Thema Wildtiere in der Stadt.
Die Station lebt allein von Spenden. Verletzte Tiere, die zurzeit hier abgegeben werden, werden zu Partner-Stationen in die benachbarten Bundesländer gebracht.
Politisch wird die Station vor allem von den Altonaer Grünen unterstützt. Die können allerdings wenig daran ändern, dass in Hamburg eine Etage höher - vor allem in der Finanzbehörde - der Wildtierstation keine große Sympathie entgegengebracht zu werden scheint.
Die SPD, die in Altona mit den Grünen koaliert, hat zugesagt, das Bemühen um ein Gelände für eine Auffangstation nicht zu torpedieren, ist aber mit Unterstützungsbekundungen deutlich zurückhaltender. Hinter vorgehaltener Hand wird der Nutzen einer Wildtierauf-fangstation gelegentlich angezweifelt.
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