Kaputten Brunnen repariert - Jetzt droht eine Geldbuße

Zärtliche Geste eines Pinguinfreundes. Andreas G. hat 15 Stunden Arbeit und 91 Euro in die Reparatur des Pinguinbrunnens gesteckt.
 
So sah der Brunnen aus, bevor sich Andreas G. ans Werk machte. „Manche der Pinguine hatten keine Bäuche, andere keine Flügel oder keine Köpfe mehr“, erzählt er. „Der Brunnen war so verfallen, dass die Figuren gar nicht mehr zu erkennen waren.

Bürger bessert in Eigenregie den Pinguinbrunnen im Volkspark aus. Bezirksamt: Das ist eine Guerilla-Aktion und eine Ordnungswidrigkeit.

Die Spaziergänger im Volkspark waren entzückt: Da stand einer und sanierte den maroden Pinguinbrunnen.
Bürstete, schliff und säuberte, füllte Löcher und Risse mit Zement aus, strich und malte. Nach zwei Tagen sah der Brunnen aus wie neu. Im Bezirksamt findet man die Aktion allerdings nicht so toll: Dem Künstler Andreas G. (Name der Redaktion bekannt) droht für seine Privatinitiative sogar eine Geldbuße.
Jahrzehntelang ist am Pinguinbrunnen nichts getan worden. Als Schandfleck stand er mitten im Schulgarten: ver-
dreckt, verrostet und vermoost, die Reliefs vom Zahn der Zeit so angenagt, dass die Pinguinfiguren kaum mehr zu erkennen waren. Andreas G. kennt und liebt den kleinen Brunnen seit seiner Kindheit;dessen Verfall mit anzusehen tat ihm in der Seele weh. Er hatte sich erkundigt und wusste: An die 50.000 Euro, so offizielle Schätzungen, soll eine Sanierung des Brunnens kosten. Geld, das sie Stadt bisher nicht aufbringen konnte. Im Internet kursieren Spendenaufrufe.
Das geht auch anders, dachte sich der begabte Hobby-Handwerker, ging zum Baumarkt, kaufte für 91 Euro Blitzzement, wetterfeste Farbe, Drahtbürste und Pinsel in verschiedenen Stärken und machte sich ans Werk. Sein Motiv: „Ich empfand es als Herausforderung, das hinzukriegen, ohne groß Geld auszugeben.“ 15 Stunden Arbeit investierte er - und bekam dafür jede Menge Anerkennung von Passanten. „So viel positive Resonanz hätte ich nie erwartet, das ging mir richtig ans Herz“, berichtet er.
Im Bezirksamt jedoch gilt die Aktion als Ordnungswidrigkeit, die ein Bußgeld nach sich zieht. Pressesprecherin Kerstin Godenschwege: „Man darf nicht ohne Erlaubnis fremdes Eigentum anmalen. Auch wenn guter Wille hinter der Tat stand, grenzt sie an Sachbeschädigung, da nun für die Sanierung eine zusätzliche Farbschicht und möglicherweise Gipsputzaufträge entfernt werden müssen. Eine Grundsanierung ist nämlich trotzdem erforderlich, da die Brunnentechnik desolat und die Substanz des Brunnens bedroht ist. Eine Guerilla-Aktion wie diese hinterlässt keine Gewinner. Der Maler hat seine Energie umsonst verschwendet, und die Stadt hat möglicherweise Mehrkosten bei den Sanierungsarbeiten zu tragen.“
Denn eine Sanierung steht endlich an. Sie soll im Spätherbst beginnen und kostet 40.000 Euro.

Info: Der Pinguinbrunnen im Volkspark
Der Brunnen wurde im Zeitraum 1925 bis 1935 errichtet. Wer der Bildhauer war, ist nicht bekannt.
2008 wurden in einer Expertise gravierende und grundsätzliche Bauschäden festgestellt. Vertreter der Kulturbehörde und der Gartendenkmalpflege erarbeiteten Konzepte für eine mögliche Sanierung und warben dann das Geld ein. 25.000 Euro stammen aus bezirklichen Einnahmen, zusätzliche 15.000 Euro wurden jetzt von der Stiftung Denkmalpflege bewilligt.
Nun wird die Sanierung vorbereitet. Unter anderem muss die gesamte Technik erneuert werden. Ob der bestehende Brunnen ausgebessert oder ein Abdruck genommen wird, nach dem dann ein ganz neuer Brunnen errichtet wird, ist noch nicht klar.
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