Kann man Lärm managen?

Deutsche Bahn Anwohnerinformation zu Bauarbeiten
 
Im Hintergrund Gleisarbeiten im März, Gleisdreieck Altona

Denn es wird laut im Oktober!

Auf der gesamten Etage läuteten die Türklingeln. Aufgeschreckt ging ich zur Sprechanlage und fragte wer da ist, bekam aber keine Antwort. Da auch Straßenbauarbeiten stattfanden entschloss ich mich an der Haustür nachzusehen, es könnte ja wichtig sein. Im Treppenhaus kam mir ein Nachbar entgegen, mit einem Zettel in der Hand. Er sagte: „Die wurden in den Briefkästen verteilt.“ Im Briefkasten fand ich ein Flyer der Deutschen Bahn. „Anwohnerinformation zu Bauarbeiten“ Mit einem süßen Bauarbeiter-Maulwurf als Sympathieträger in der Ecke. Ich dachte an die vielen Maulwürfe, Kaninchen, Füchse und anderen Tiere, die bei den Sanierungen von Bahngelände untergepflügt wurden. Warum das Infoblatt der Bahn ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit verteilt werden musste weiß auch nur das Management.

In dem Flyer wird vor Lärm und Staub gewarnt. Zwischen den S-Bahnstationen Holstenstraße und Altona werden vom 13. Oktober, 01:30 bis 27. Oktober, 03:30 die Gleise erneuert. Zwischen Sternschanze und Altona/Diebsteich finden im Oktober umfangreiche Bauarbeiten statt. Viele Maschinen werden zum nächtlichen Einsatz kommen: Arbeitszüge, Zweiwegebagger, eine Bettungsreinigungsmaschine, eine Stopfmaschine sowie diverse Kleinmaschinen. Das ganze begleitet von akustischen Warneinrichtungen, die „von den Unfallkassen ausdrücklich gefordert“ werden.

Ich wohne schon viele Jahre nahe den Gleisen, kann mich aber nicht daran erinnern schon mal eine Lärm- und Staub-Warnung der Bahn bekommen zu haben. Umfangreiche Gleisarbeiten finden am Gleisdreieck Altona schon seit dem Frühjahr statt. In meinem Schnappschuss Link1* "Lotte" und dem Link2* „Zeitraffer Video“ sind im Hintergrund Baufahrzeuge der Bahn zu sehen.

Grundsätzlich finde ich es gut dass die Deutsche Bahn an die Anwohner denkt. Aber sollen wir Anlieger jetzt vor jedem Lärm mit einem Flugblatt gewarnt und „hochgeklingelt“ werden? Rund um das Gleisdreieck Altona sind ca. fünf Baufirmen tätig. Zu den nächtlichen Gleisarbeiten kommen noch tagsüber Fernwärmeerweiterungen, Projekt Neue Mitte Altona, LKW/Anhänger-Park- und Lagerplatz Harkortstraße, Brauerei Schwerlastverkehr und Fluglärm. Dass die Wohnungen, der teilweise über 100 Jahre alten Häuser, Schritt für Schritt Modernisiert werden kommt auch noch dazu. Später dann der Umzug des Altona Bahnhof und der Holsten Brauerei. Der Lärm summiert sich, 80 bis über 100dBA sind hier keine Seltenheit Link3*. Auf Sonn- oder Feiertage wird jetzt schon keine Rücksicht genommen Link4*. Betroffen sind Säuglinge bis Rentner.

In der Nachbarschaft gab es dieses Jahr Selbstmorde, ob das mit dem Lärm zusammenhängt sei dahingestellt. Wenn aber Körper und Geist keine Erholung mehr finden, sind die Alten und Kranken besonders gefährdet. Ich bin ehrenamtlicher Pfleger, auch einige ältere Nachbarn haben meine Telefonnummer (Wenn mal was ist…) und ich kenne den Gemütszustand einiger. Depressionen machen die Runde, für viele gab es im Sommer eine Mieterhöhung, hinzu kommt eine angekündigte Mietsteigerung, wegen der Dämmung der Rückseite einiger Häuser. Da kommen bei einigen Mietern über 120 Euro pro Monat zusammen. Auch für junge Familien, wo schon beide Elternteile arbeiten ein großer Brocken.

Wir brauchen einen Lärmmanager in Altona, denn eine fast 24 Stunden Lärm-Beschallung wird Opfer fordern.

Links:
1* http://www.elbe-wochenblatt.de/altona/lokales/lott...

2* http://www.elbe-wochenblatt.de/ottensen/lokales/gl...

3* http://www.elbe-wochenblatt.de/ottensen/lokales/st...

4* http://www.elbe-wochenblatt.de/altona/lokales/laer...
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1 Kommentar
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Jens Bend aus Eissendorf | 11.09.2015 | 11:52  
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