Jens Huckeriede ist tot

Jens Huckeriede sprühte bis zuletzt vor Energie, neuen Ideen und Plänen. (Foto: Bernd Meiners)

Er war Filmemacher, Erinnerer, Historiker, Altonaer.

Filmemacher Jens Huckeriede ist am 8. Dezember mit 64 Jahren völlig überraschend an Herzversagen gestorben. Altona verlor damit einen Mann, der mit seinem Werk unermüdlich an die dunkelsten Zeiten deutscher Vergangenheit erinnerte. Bis zuletzt wollte er vor allem jungen Menschen diese Vergangenheit intellektuell und emotional nahebringen.
1949 in Hamburg geboren, arbeitete Jens Huckeriede als Kaufmann, bevor er 1979 begann Sozialpädagogik zu studieren. Danach war er von 1983 bis 1987 stellvertretender Geschäftsführer des SterniPark Kinderhauses, dem er bis zuletzt eng verbunden war.
1985 schloss sich Huckeriede der Hamburger Filmwerkstatt „die thede“ an. Als bekanntestes seiner Werke gilt der Dokumentarfilm über die Hamburger Gebrüder Wolf, der erstmals die Lebensgeschichte der jüdischen Musiker erzählt, die Hamburgs heimliche Nationalhymne, das Lied vom „Jung mit dem Tüdelband“, verfassten.
Im Film „Direkt nach Altona“ (2010) portätiert Huckeriede Menschen aus Ottensen. Für sein letztes Projekt „sound in the silence“ versammelte er auf dem Gelände des Lagers Neuengamme polnische und deutsche Schüler und suchte mit ihnen in Musik, Theater und Tanz neue Ausdrucksformen für Erinnerungen.
Pastor Ulrich Hentschel erinnert sich: „Jens Huckeriede war Aktivist auf eine sehr reflektierte Weise, der seine Themen ohne moralisierenden Zeigefinger, gleichwohl ernsthaft und genau, bearbeitete. Er stand für eine gute, lebendige, politisch klare Erinnerungskultur. Sein Tod ist wirklich ein Verlust.“
Huckeriedes thede-Kollegin Antje Hubert erzählt: „Seine große Sorge war: Was passiert eines Tages, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt für die Geschichte von Vertreibung und Ermordung? Dafür suchte er neue Formen der Erinnerung, das hat ihn wirklich umgetrieben.“
Hubert spricht für viele, wenn sie sagt: „Sein Tod ist ein Schock für uns. Jens stand mitten im Leben, er sprühte nur so vor Energie. Er war noch mit so vielen Plänen unterwegs, und seine ganz große Gabe war, Menschen für seine Pläne und Ideen begeistern zu können. Er hinterlässt uns einen unglaublichen Fundus an reichen Ideen.“
Abschiedsfeier: Villa Guggenheim, Rothenbaumchaussee 121, Freitag, 20. Dezember, 15 Uhr.
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