Interview mit Altonas Bezirksamtsleiter

Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose wurde 2007 von der schwarz-grünen Koalition ins Altonaer Rathaus gewählt. Seit den Hamburg-Wahlen 2011 regiert in Altona eine rot-grüne Koalition. Warmke-Roses Amtszeit endet am 14. Juli 2013. (Foto: da)

Jürgen Warmke-Rose: "Mut verlangt das nicht."

Elbe Wochenblatt: Herr Warmke-Rose, Sie haben beim Amt für Bezirksverwaltung der Finanzbehörde angezeigt, dass das Bezirksamt Altona in zwei Bereichen überlastet ist und seine Arbeit nicht mehr so tun kann, dass eine Gefahr für Leib und Leben der Altonaer Bürger ausgeschlossen ist. 
Jürgen Warmke-Rose: Wir haben im Moment am Bezirksamt 13 Überlastungsanzeigen. Zwei davon musste ich weitergeben, musste der Bezirksaufsichtsbehörde sagen: Vorsicht! Gegebenenfalls sind Menschen in Gefahr! Ich habe diese Überlastungsanzeigen Ende 2010 und Anfang 2011 weitergegeben. Passiert ist seitdem nichts. Die Situation wird eher schlechter. 
EW: Das hat außer Ihnen keiner der anderen Bezirksamtsleiter gemacht, obwohl jeder weiß, dass die Situation in den Bezirken überall gleich ist. Haben Sie mehr Mut?
JWR: Mut verlangt das nicht - ich begebe mich ja nicht in existenzielle Gefahr. Und ich bin unkündbar. Als Beamter habe ich aber die Pflicht, meinen Vorgesetzten umfassend und objektiv zu informieren - auch wenn dieser es gegebenenfalls nicht hören möchte. Es ist meine Art der Aufgabenwahrnehmung, dass es schlicht die Pflicht eines höheren Beamten ist, zu warnen, wenn der Apparat die Grenzen der Leistungsfähigkeit erreicht. Meine Leute müssen viel mehr arbeiten als früher. Sie müssen immer mehr arbeiten und haben immer weniger Ressourcen zur Verfügung. Die natürliche Grenze ist erreicht. 
EW: Der 14. Juli 2013 ist ihr letzter Tag als Bezirksamtsleiter in Altona. Was kommt danach?
JWR: Ich habe vorher in verschiedenen Hamburger Behörden gearbeitet und habe als Beamter die Möglichkeit, dorthin zurückzukehren. Doch das werde ich nicht  tun. Ich werde aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, weiterhin Verantwortung für das Bezirksamt zu tragen unter den sich ändernden Rahmenbedingungen. Das, was wir in der Verwaltungsreform geschaffen haben, um die Bezirke zu stärken, lässt sich zukünftig nicht mehr finanzieren. Daran möchte ich nicht mitwirken.
EW: Aber es muss doch gespart werden?
JWR: Ja, und das ist auch völlig legitim. Aber man muss auch Aufgabenkritik machen, erklären, was die Verwaltung zukünftig nicht mehr leisten soll, weil wir einfach zu wenige Mitarbeiter werden.
EW: Sie sind 51 Jahre alt. Wenn Sie aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden, werden Sie auf viel Geld verzichten müssen?
JWR: Ich bekomme dann die Pension für meine 24 Dienstjahre. Und ich habe die Möglichkeit, etwas Neues anzufangen, als Jurist Geld zu verdienen und die Pension dann gar nicht in Anspruch zu nehmen.

Das Interview führte
Christiane Handke-Schuller
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.