"Ich bin doch kein Rassist!"

Stephan Zieriacks hat sich, erklärt er, auf Drängen seiner Partei zur Bürgerschaftswahl gestellt. Er bewirbt sich auf Platz 29 und hat damit kaum Chancen, in die Bürgerschaft zu kommen. Nun fühlt er sich von AfD-Gegnern bedroht.

AfD-Kandidat fühlt sich zu Unrecht angegriffen durch Schmierereien an dem Saga-Haus, in dem er wohnt.

AfD-Kandidaten in Hamburg „outen“ wollten Unbekannte, die gegen 2.30 Uhr nachts am 26. Januar drei Wohnhäuser von Politikern der „Alternative für Deutschland“ beschmiert haben.
Ein Bekennerbrief auf der linken Plattform „Indymedia“ erklärt, man habe die Wohnhäuser der „drei Funktionäre“ „farbig markiert“. Dazu gehören die Häuser von Nr. 2 und 3 auf der Landesliste, Bernd Baumann und Dirk Nockemann, beide stellvertretende Landesvorsitzende ihrer Partei.
Der dritte angegriffene AfDler ist dagegen quasi unbekannt. Er bewirbt sich auf dem eher aussichtslosen Platz 29 um einen Sitz in der Bürgerschaft: Stephan Zieriacks aus St. Pauli ist ein eher kleines Licht in der AfD. Ein so kleines, dass seine eigene Partei seinen Namen auf den Stimmzetteln falsch geschrieben hat.
Dieser Name stand nun - richtig geschrieben - tagelang in riesigen schwarzen Lettern neben dem Wort „Rassist“ auf den roten Klinkersteinen des Saga-Blocks, in dem er wohnt.
Zieriacks reagiert sehr emotional auf den Vorwurf Rassist zu sein. „Ich bin kein Rassist!“, sagt er. Als Beweis führt er an: Seine Lebensgefährtin und seine 16-jährige Stieftochter sind Honduranerinnen. „Und das sieht man ihnen auch an“, sagt Zieriacks, empört darüber, dass ausgerechnet er Vorurteile gegen Ausländer haben soll.
Er öffnet die Tür zum Schlafzimmer: Über dem Ehebett ist eine große Flagge an die Wand gepinnt – nicht die deutsche, sondern die honduranische mit den fünf blauen Sternen. Der gemeinsame sechsjährige Sohn habe Freunde von überallher, vor allem aus türkischen Familien.
Dass er mit einer Ausländerin zusammen lebe, so Zieriacks, habe er auch auf Indymedia gepostet, aber dort sei sein Kommentar sofort gelöscht worden.
Empörung, weil er sich ungerechtfertigt angegriffen fühlt, ist das eine, Angst das andere Gefühl: „Was kommt als nächstes Molotow-Cocktails?“ fragt Zieriacks. „Die ganze Familie schreckt nachts beim kleinsten Geräusch hoch.“
Die Polizei hat zwar einen Zettel an die Haustür geklebt, in dem um Hinweise zur Aufklärung gebeten wird. Aber sie habe seine Bitte abgelehnt, der Familie Schutz zu verschaffen.
Polizeisprecherin Ulrike Sweden erklärt: „Der Abteilung Staatschutz im Hamburger LKA liegen keine Hinweise auf eine besondere Gefährdung vor. Erfahrungsgemäß bewegen sich diese Aktionen im Bereich der Farbschmierereien, oder Flugblätter werden verteilt.“
Hinweise: Kriminaldauerdienst, Tel 428 65 67 89.
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5 Kommentare
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Andreas Steffes aus Harburg | 08.02.2015 | 12:14  
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Michael den Hoet aus Bahrenfeld | 09.02.2015 | 00:28  
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Andreas Steffes aus Harburg | 09.02.2015 | 00:56  
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Christiane Handke-Schuller aus Altona | 09.02.2015 | 09:38  
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Michael den Hoet aus Bahrenfeld | 09.02.2015 | 13:40  
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