Horst Dietrich ist tot

Horst Dietrich, Gründer und jahrzehntelang Motor des Kultur- und Kommunikationszentrums Fabrik, ist am vorvergangenen Wochenende im Alter von 79 Jahren gestorben. (Foto: od)

Mit der „Fabrik“ gründete er 1971 Deutschlands erstes Stadtteil-Kulturzentrum

Im Alter von 79 Jahren ist in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli der Künstler Horst Dietrich an Krebs gestorben. Der geborene Altonaer lebte seit vielen Jahren an der Schlei. Er war ursprünglich Maler. Doch seine Lebensaufgabe und seine Berufung fand er 1971 als Mitgründer der weit über Ottensens Grenzen hinaus bekannten „Fabrik“: Er hat dieses erste Kunst- und Kommunikationszentrum Deutschlands bis in das Jahr 2012 als Geschäftsführer begleitet, geleitet und geprägt.
Zusammen mit dem Architekten Friedhelm Zeuner hatte Dietrich die 150 Jahre alte ehemaligen Maschinenfabrik an der Barnerstraße 36 in ein Haus verwandelt, in dem sich Musik, Kunst und Kreativität versammelten. Es war das erste Mal, dass die Kunst aus Konzert- und Opernhäusern in den Alltag und zu den Menschen geholt wurde. Damit wurde die Fabrik schnell zum Vorreiter einer europaweiten Bewegung von Kommunikationszentrums-Gründungen, die zum Motto hatten, Kultur zu demokratisieren.
Das außergewöhnliche Gebäude mit dem Lastkran über dem Haupteingang und seiner besonderen Architektur ist seit seiner Gründung in Ottensen eingebunden und über die Jahre ein Wahrzeichen des Stadtteils geworden. Generationen von Stadtkindern aus der unmittelbaren Umgebung haben ihre Freizeit und ihre Ferien hier in einem Umfeld von Kunst, Kultur und – dank des angeschlossenen Gartens – Natur verbracht. Die offene Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil war neben dem Kultur- und Kursprogramm der Fabrik für Horst Dietrich immer ein Eckpunkt seiner Arbeit.
Seine ganze Liebe aber galt den Künstlern aus aller Welt, die in Konzerten auf der Fabrikbühne auftraten. Unter Dietrichs Ägide als Programmmacher zählte die Fabrik schnell zu den wichtigsten Musikanbietern der Stadt. In den letzten Jahren seiner Zeit als Geschäftsführer kam es zu Auseinandersetzungen mit der Kulturbehörde, die forderte, die Fabrik wirtschaftlicher zu betreiben und das Konzept zu modernisieren. Dietrich war dagegen und warnte davor, das im Stadtteil gewachsene Profil durch Programmänderungen in Gefahr zu bringen.
Horst Dietrich war Träger des Max-Brauer-Preises.
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