Hilflos im Fahrstuhl gefangen

Ein gesunder Mensch hätte eventuell aus dem Fahrstuhl herausklettern können. Aber der Rollstuhlfahrer saß hilflos zwischen S-Bahn-Ebene und Bus-Bahnhof-Ebene fest.

Rollstuhlfahrer sitzt am Busbahnhof Altona zwischen zwei Ebenen fest.

Schreckliches Erlebnis für einen Rollstuhlfahrer am vergangenen Donnerstag am Bahnhof Altona: Der Fahrstuhl, mit dem er von der S-Bahn-Ebene zum Busbahnhof hinauffahren wollte, blieb stecken. Qualvoll lange - über eine halbe Stunde - musste er im Metall- und Glaskäfig des Fahrstuhls in der Mittagshitze von rund 28 Grad ausharren, bis er endlich von der Feuerwehr befreit.
„Das ist ein Unding!“, regte sich ein Passant auf, der zufällig Zeuge wurde. „Wieso hat die Bahn keinen Generalschlüssel, mit dem sie im Notfall den Fahrstuhl sofort entriegeln kann? Und weshalb funktionierte die Notsteuerung nicht?“
Erst die Berufsfeuerwehr bekam die gläserne Tür auf - aber das bedeutete noch lange nicht, dass der Rollstuhlfahrer befreit war. Der Fahrstuhl war nämlich zwischen zwei Geschossen steckengeblieben. Der Kopf des Rollstuhlfahrers befand sich auf Höhe des Gehweges. Stück für Stück musste der Fahrstuhl nach oben manövriert werden, bis der hilflose Mann im Rollstuhl ins Freie geschoben werden konnte. Der Zeuge: „Der Mann flatterte am ganzen Leib und sagte, er bräuchte dringend Medikamente.“
Der Fahrstuhl, der die S-Bahn-Ebene mit der Bus-Ebene verbindet, wird vor allem von Gehbehinderten, Müttern mit Kinderwagen und alten Menschen genutzt.
Verantwortlich für den Lift ist die Deutsche Bahn. Das Wochenblatt hat um Auskunft zu dem Fall gebeten. Eine Bahnsprecherin erklärt: "Bei uns ist kein Notruf eingegangen." Da aber dieser Mann schon mehrmals in genau diesem Fahrstuhl gefangen gewesen sei, habe man ihm vor längerem angeboten, zu prüfen, ob die Elektronik seines Rollstuhls den Fahrstuhl stört. Das sei jedoch abgelehnt worden.
Sonst habe es in der zurückliegenden Zeit keine auffällige Häufung von Problemen mit dem Fahrstuhl gegeben: " Er wird wöchentlich geprüft und ist sicher und mängelfrei. Den Notrufknopf haben wir eine Stunde nach dem Vorfall geprüft - er funktionierte."
Dem Rollstuhlfahrer sei auch angeboten worden, jedesmal, wenn er den Fahrstuhl benutzt, Bahnpersonal zur Begleitung anzufordern. Außerdem habe er die Erlaubnis, auf der Strecke Hauptbahnhof-Altona die Schnellzüge zu benutzen, damit er in Altona nicht die Ebenen wechseln muss. "Aber auch dieses Angebot hat er offensichtlich nicht genutzt."
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