Hilfe, ich werde blind!

Ernst Staniullo hat einen angeborenen Grauen Star auf beiden Augen. Blind zu sein hat ihn nicht daran gehindert, ein ausgefülltes Leben zu führen. Heute berät der 69-Jährige Menschen, deren Sehvermögen sich verschlechtert hat. (Foto: Foto: BSVH)

Demnächst zum ersten Mal im Bürgertreff Altona-Nord: Beratung für Sehbehinderte. Interview mit Berater Ernst-Ullrich Staniullo

Ernst-Ullrich Staniullo (69) wird ab dem 28. Oktober eine regelmäßige Beratung für Blinde und Sehbehinderte in Bürgertreff Altona-Nord abhalten. (Info unten). Staniullo weiß, wovon er spricht: Er hat einen angeborenen Grauen Star. Damals, als er geboren wurde, gab es nicht, wie heute, die medizinischen Möglichkeiten, Kinder wenige Wochen nach der Geburt zu operieren und ihnen damit das Augenlicht zu retten. Die Diagnose bedeutete: ein Leben in fast gänzlicher Dunkelheit. Das Wochenblatt sprach mit Ernst Staniullo.

Wieviel können Sie erkennen?
Kaum etwas. Ich kann Menschen zwar als Schemen sehen, aber nicht erkennen, wer sie sind. Farben und Helldunkel-Kontraste sehe ich ganz unscharf. Noch kann ich meine Wege mit dem Blindenstock allein gehen. Meine Frau begleitet mich oft. Sie ist auch sehbehindert, aber nicht so stark wie ich.

Wie verlief ihr Leben?
Als ich sechs Jahre alt war, kam ich auf eine Blindenschule mit Internat. Inklusion – das gab es damals noch nicht. Es folgte die gängige Ausbildung für Blinde: Stenotypist. 1964 kam ich ans Finanzamt in der Steinstraße in den Schreibdienst. 1974 konnte ich eine Fortbildung machen und wurde Kundenberater. Mein Fachbereich waren Lohnsteuerfragen.

Wie funktionierte das?
Gut. Ich habe das sehr gerne gemacht, mochte den unmittelbaren Kontakt mit den Menschen. Natürlich passierte es immer wieder, dass jemand sagte: „Gucken Sie sich das mal an,“ und dann musste man erklären, dass das nicht ging und ich Papiere vorgelesen bekommen muss. So habe ich dann auch gemeinsam mit den Kunden Steuererklärungen bearbeitet. In 90 Prozent aller Fälle klappte das problemlos. Schwierig wurde es nur, wenn die Leute nicht gut Deutsch konnten.

Und jetzt beraten Sie für den Blindenverein...
Ja. Ich bin seit 1963 Mitglied im Blinden- und Sehbehindertenverein und arbeite seit Ende der 70er-Jahre ehrenamtlich für den Verein. Wir wissen, dass viele, die Augenprobleme haben, sich nicht trauen, direkt zum Blindenverein zu gehen. Deswegen kommen wir in die Stadtteile.

Wie läuft so eine Beratung? 
Vorweg, was wir nicht leisten können: medizinische Beratung. Wenn einer zu mir kommt und sagt: Ich sehe von Jahr zu Jahr schlechter und das geht schon seit fünf Jahren so, dann sage ich: „Gehen Sie zum Augenarzt.“ Aber wenn einer kommt, dem der Arzt gesagt hat: „Sie haben eine Makula-Degeration“, und der weiß jetzt nicht: Was bedeutet das? Was erwartet mich? Wie gehts weiter? Wo bekomme ich Hilfe? – dann kann ich erklären und Tipps geben. Das ist ja erstmal unheimlich, so eine Sehbehinderung. Da hilft es, wenn einer zuhört und mit einem spricht, der sich auskennt.


Beratung für Augenpatienten
Am Dienstag, 28. Oktober, findet zum ersten Mal im Bürgertreff Altona-Nord, Gefionstraße 3, die „Blickpunkt Auge“-Sprechstunde für Menschen statt, die von einer deutlichen Sehverschlechterung betroffen sind. Berater Ernst- Ullrich Staniullo steht Ratsuchenden an jedem vierten Dienstag im Monat von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr hier zur Seite. Beantwortet werden Fragen zu den häufigsten Augenerkrankungen, zu Sehhilfen und anderen Hilfsmittelnund zu rechtlichen und finanziellen Ansprüchen. Außerdem Tipps und Tricks für den Alltag.
Die Beratung ist kostenlos. Bitte anmelden unter Telefon 831 64 01.
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