„Hier ist ein Netzwerk entstanden“

Mit Hang zum Sozialen: Susanna Müller leitete 36 Jahre lang die Kindertagesstätte „Zu den zwölf Aposteln“. (Foto: pr)

Kita „Zu den zwölf Aposteln“: Leiterin Susanna Müller geht nach 36 Jahren in den Ruhestand – ein Portrait

Von Gaby Pöpleu

Sie kümmerte sich um bis zu 130 Kinder, war Chefin für zuletzt knapp 30 Mitarbeiter. Susanna Müller geht in den Ruhestand. 36 Jahre lang leitete sie die Kindertagesstätte „Zu den zwölf Aposteln“ in der Boberstraße – vielen vielleicht besser bekannt unter „Boberinsel“, begleitete ganze Generationen kleiner Luruper bis zur Schulzeit.
Tatsächlich bringen ihre früheren Schützlinge jetzt schon die eigenen Kinder in Susanna Müllers Obhut. Die Erziehungsmethoden haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten aber sehr verändert, hat Müller erlebt: „Die Kinder werden heute zu mehr Selbstständigkeit erzogen“, sagt sie, aber auch: Viele Eltern verlangen viel von ihren Kindern, schon vor der Schulzeit, haben weniger Vertrauen, dass die Kleinen sich von allein gut entwickeln.
Seit Susanna Müllers Start in der Boberstraße hat sich auch Lurup sehr sehr verändert, findet sie: „Als ich hier anfing sagten meine Freunde, ‘Das ist ein ganz heftiger Stadtteil’. Das ist nicht mehr so.“ Heute gebe es nicht nur Probleme sondern auch gute Hilfsnetzwerke. „Wir haben hier auch junge Eltern aus Altona uns Eimsbüttel, die gern herziehen, weil sie sich hier eher im Eigenheim wohnen können“, weiß sie aus dem Kindergartenalltag.
Nach Lurup gelangte Susanna Müller eher zufällig: Geboren in Mosambik, kam sie mit acht Jahren mit ihrer Familie nach Hamburg. Das berufliche Interesse am Sozialen zeichnete sich früh ab, schon als Jugendliche unterstützte sie jugendliche Straftäter, damals noch im Jugendgefängnis Neuengamme. Folgerichtig studierte Susanna Müller Sozialpädagogik und Sozialarbeit, arbeitete während des Studiums in den 1970er Jahren in Steilshoop.Ein wichtiges Ereignis ihrer jüngeren Vergangenheit war natürlich ihre Hochzeit. „Mein Mann und ich waren da schon 30 Jahre lang ein Paar“, erklärt sie. „Die Kollegen haben sich besonders gefreut, das endlich erleben zu dürfen“, erinnert sich Susanna Müller augenzwinkernd. Eigene Kinder hat die Pädagogin, heute in Bergstedt beheimat, nicht. „Ich habe ja schon jeden Tag 120 Kinder“, lacht sie. Sie sieht – wie meistens – das Positive: „Ich musste mich nie so zwischen Beruf und Familie ‘zerreißen’, wie viele berufstätige und alleinerziehende Mütter.“
Die Kinder werden ihr wohl in Zukunft am meisten fehlen. Ihre Energie wird sie dann in die Erwachsenenbildung stecken: Susanna Müller hat sich in der Schweiz in Körperpsychotherapie weitergebildet. Und der Garten steht noch an. „Ich habe das nie gelernt, wie man so darin aufgehen kann. Das will ich mir jetzt mal erklären lassen.“ Und bei alldem will sie sich nicht verplanen. „Ich will offen sein, für das was jetzt kommt.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.