Hausfassade bricht ab und stürzt in Baugrube
Bernhard-Nocht-Straße: Investor reißt Haus danach sofort komplett ab; jetzt wehrt er sich gegen Vorwürfe und Mutmaßungen
Heinz Mann aus der Bernhard-Nocht-Straße brachte am Freitagmorgen seinen Müllsack in den Müllraum und warf einen Blick auf die Baugrube gegenüber. Plötzlich rummste es. „Das Haus auf der anderen Straßenseite rutschte ab, sehr laut, die ganze Wand ist total in die Grütze gefallen.“ Der St. Paulianer kriegte aus nächster Nähe mit, wie die West-Fassade des denkmalgeschützten Altbaus Bernhard-Nocht-Straße 85 in sich zusammenkrachte und in die benachbarte Baugrube fiel. Wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden.
Manns erster Gedanke: „Das haben die extra gemacht!“ „Die“ das ist die Grundstücksgesellschaft Bernhard-Nocht-Straße 69-79 mbH & Co. KG, die im Quartier 108 neue Mietwohnungen bauen will. Auch die Anwohner-Initiativen No BNQ und „SOS St. Pauli“ sind misstrauisch. Aus einer Pressemitteilung: „War der Zusammenbruch der Brandschutzmauer bei dem denkmalgeschützten Haus gewollt?“
Helmut Koehler von der Grundstücksgesellschaft Bernhard-Nocht-Straße 69-79 mbH & Co. KG, ist empört: „Damit wird uns unterstellt, mutwillig Menschen in Lebensgefahr zu bringen. Das ist an Boshaftigkeit nicht zu übertreffen! Was passiert ist, ist auch für uns eine absolute Katastrophe - finanziell, das soziale Umfeld betreffend, das eben gerade zur Ruhe gekommen war, und in jeder anderen Hinsicht.“ 100.000 Euro habe man bisher schon in die Sanierung des Hauses gesteckt. Der sofortige Abriss des gesamten restlichen Hauses noch am Wochenende sei eine Sicherheitsmaßnahme gewesen. Koehler: „Der Statiker meinte, jeder Windstoß hätte es komplett zum Einsturz bringen können - eine Gefahr auch für die Nachbarhäuser.“ Aber gerade dieser schnelle Abriss sorgt für Misstrauen - der Investor hatte dafür keine Genehmigung vom Bezirksamt.
Inzwischen wurden - zu spät nach Ansicht vieler Anwohner - alle Arbeiten auf dem Gelände gestoppt, der Schutt darf vorläufig nicht abgefahren werden. Vertreter des Denkmalschutzamtes und der Bauprüfabteilung wollten bei einer Begehung des Unglücksortes am späten Montagnachmittag versuchen, Hinweise auf die Einsturz-Ursache zu finden.
Koehler kündigte an, die Fassade des Hauses wieder so aufzubauen, wie sie war.

