Haus weg: Anzeige vom Denkmalschutz

Ein Schuttberg war alles, was übrig blieb. Inzwischen ist er weggeräumt - der Baustopp wurde aufgehoben. (Foto: Mann)

Bernhard-Nocht-Straße 85/87:Jetzt sind die Gutachter am Zug

Ein Schuttberg. Das war alles, was vom denkmalgeschützten Haus Bernhard-Nocht-Straße 85/87 übrig blieb. Inzwischen ist auch der Schutt weg.
Vorgeschichte: In der vorvergangenen Woche war eine Wand des Altbaus, vermutlich infolge der benachbarten Rammarbeiten, zusammengebrochen. Daraufhin hatte die Grundstücksgesellschaft Bernhard-Nocht-Straße 69-79 mbH & Co. KG innerhalb von 48 Stunden das gesamte Haus abreißen lassen. Weil Gefahr in Verzug gewesen sei, erklärte Helmut Köhler. Der Statiker habe gewarnt: Ein Windzug könne das ganze Haus zum Einsturz bringen. Eine Genehmigung für den Abriss habe nicht abgewartet werden können.
Bezirksamt und Denkmalschutzamt veranlassten einen Baustopp, der aber kurze Zeit später wieder aufgehoben wurde. Kristina Sassenhaus, Sprecherin des Denkmalschutzamts: „Nach dem Einsturz der Seitenwand am Freitagmorgen hatte das Denkmalschutzamt einem Abbruch der überhängenden Gebäudeteile (herausragende Zwischendecken) zur Sicherung zugestimmt, damit keine weiteren Bauteile beschädigt werden. Es haben dann aber weit über dieses Maß hinausgehende, weitere Abbrucharbeiten stattgefunden. Deshalb haben die Bauprüfabteilung des Bezirks und das Denkmalschutzamt am Sonnabend festgestellt, dass der Rest des Gebäudes aus statischen und denkmalpflegerischen Gründen nicht mehr zu halten war.“
Anwohner und Initiativen protestieren seitdem, unter anderem mit Postern und Plakaten am Bauzaun. Sie betrachten das Projekt des Investors, der an dieser Stelle für 20 Millionen Euro 108 Mietwohnungen baut, seit Jahren mit größtem Misstrauen. Das plötzliche Verschwinden eines der schönsten Altbauten im Viertel hat dieses Misstrauen wieder neu angefacht.
Das Denkmalschutzamt hat wegen Baugefährdung gegen die Grundstücksgesellschaft Bernhard Nocht Straße / Köhler & von Bargen, die Firma Ewert GmbH und den Tragwerksplaner Dr. Joachim Baseler Strafanzeige erstattet. Sassenhaus: „Es besteht ein Verdacht, dass gegen anerkannte Regeln der Technik verstoßen wurde.“
Investor Helmut Köhler: „Nun werden Fachleute das Fundament des Hauses untersuchen, um herauszufinden, ob und wie es sich bewegt hat. Wo liegt der Fehler? Bei der Erdbaufirma? Bei der Baufirma? Bei den planenden Ingenieuren? Die Gutachter werden viele Fragen zu stellen haben.“
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