Hamburgs Geburtshaus in Gefahr

Gesunde Babys, die bei natürlichen Geburten in vertrauter Umgebung unter Aufsicht von Hebammen zur Welt kommen- das ist seit mehr als zwei Jahrzehnten das Konzept des Geburtshauses. (Foto: pixelio/ Christian v.R.)
 
Das 1.000 Geburtshaus-Baby hieß Emilio und kam am 16. November 2000 auf die Welt. Am Wochenende drauf feierten Eltern und Hebammen das runde Baby-Jubiläum auf Ottensens Straßen.

Die Versicherungskrise der Hebammen bedroht die Existenz des Geburtshauses. Hamburg

Von Jessica Köster.
Muss das Geburtshaus Hamburg in Ottensen dicht machen? Die Krise um die
Hebammen-Haftpflichtversicherung scheint es mitzureißen.
Die Existenz des Trägervereins ist bedroht, und es sieht nicht nach Besserung aus. Die Problematik der immens hohen Versicherungsbeiträge ist schwer zu schultern. Aber es kommt noch schlimmer: Ab dem 1. Juli 2015 wird es in Deutschland überhaupt keine Versicherung mehr geben, die sich bereit erklärt,
Hebammen haftpflichtzuversichern. Das heißt: Wenn sich kein Ausweg zeigt, muss das Geburtshaus schließen. „Bis dahin werden wir alle Hebel in Bewegung setzen“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins, Britta Höpermann.
Auch die Politik in Altona erkennt den Ernst der Lage; sie fordert die Unterstützung des Senats. „Es geht eine Institution verloren, die Frauen in ganz Hamburg natürliche Geburten ermöglicht“, meinen die Grünen.
Britta Höpermann, die das Geburtshaus vor 24 Jahren mit gegründet hat, schildert in einem Interview die Lage der Hebammen und des Geburtshauses.

Elbe Wochenblatt: Ist es wahr, dass das Geburtshaus Hamburg in seiner Existenz gefährdet ist? Warum?
Ja, das trifft zu. Zum 1. Juli 2015 ist der Versicherer aus dem Vertrag zurückgetreten, sodass es ab dem Zeitpunkt zum heutigen Stand keine Versicherung mehr gibt. Hebammen müssen sich, um ihren Beruf ausüben zu können, berufshaftpflichtversichern. Eine Frau, die im Ok-
tober diesen Jahres schwanger ist, wird im Juli 2015 ihr Kind bekommen. Daher ist diese Situation natürlich für uns Hebammen und die Frauen auch schon jetzt ganz aktuell brisant!

Seit wann gibt es die Problematik mit den hohen Versicherungsbeiträgen für Hebammen und wie hoch sind sie mittlerweile?
Die Versicherungsprämien haben sich in den letzten Jahren um mehrere hundert Prozent vervielfacht. 1992: 200 Euro. 2012: 4.200 Euro. Ab 1. Juli 2014: 5.090 Euro. Zum 1. Juli 2015 gibt es gar keinen Versicherer mehr, der Hebammen versichert!

Warum sind die Beiträge so gestiegen?
Die Beiträge steigen nicht aufgrund vermehrter Schadensfälle, sondern unter anderem aufgrund höherer Kosten im einzelnen Schadensfall: dazu zählen Aufwendungen für medizinische und pflegerische Behandlung, aber vor allem soziale Versorgung und lebenslange Einkommenssicherung und vermehrte Regressansprüche durch die Krankenkassen.

Wie sieht die aktuelle finanzielle Situation des Geburtshauses aus ?
Der Umstand, dass es ab dem 1. Juli 2015 keine Berufshaftpflichtversicherung mehr auf dem Markt zu geben scheint, bedroht das Geburtshaus Hamburg in seiner Exis-tenz! Ohne Berufshaftpflichtversicherung können wir unsere Tätigkeit und somit das Geburtshaus Hamburg nicht weiter fortführen.

Sehen Sie aus der gegenwärtigen Lage einen Ausweg und wie sieht der aus?
Es gibt Vorschläge, die gerade auf Bundesebene geprüft werden, zum Beispiel wäre eine Deckelung der Haftpfichtversicherungskosten sicher eine zukunftssichernde Möglichkeit für die Hebammen. Auch eine 1:1 Übernahme der Steigerung der Haftpflichtkosten durch die Krankenkassen wäre eine Lösung!

Info: das Geburtshaus
Im Geburtshaus Hamburg, Am Felde 2, betreuen 14 freiberuflich tätige, in einer Gesellschaft organisierte Hebammen Frauen und Familien rund um Schwangerschaft und Geburt und bis zum ersten Lebensjahr des Kindes. Der gesamte Betreuungsbogen (Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft) findet im Geburtshaus statt. So gibt es eine zentrale Anlaufstelle für sämtliche Fragen in dieser Zeit.
Das Geburtshaus Hamburg versteht sich als zusätzliches Angebot neben Klinik- und Hausgeburtshilfe. In Hamburg ist das Recht der Frauen auf Wahlfreiheit des Geburtsortes unter anderem durch das Geburtshaus sichergestellt.
In den 22 Jahren seit seiner Gründung sind hier rund 2.800 Babys zur Welt gekommen, circa 160 pro Jahr.
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