Hamburgs buntestes Haus steht an der Stresemannstraße

Quietschbunt: der prächtige Altbau an der Stresemannstraße .
 
Blumen, Bäume, Häuser und Hamburger Symbolbauten tummeln sich auf dem Sockel des Hauses.

An einer grauen Ecke Altonas leuchtet dieser Altbau in allen Farben des Regenbogens.

Vor ein paar Tagen ist das letzte Gerüst verschwunden. Jetzt steht das Haus Stresemannstraße 218/220 in seiner leuchtenden, ganz und gar unhanseatischen, knalligen Farbenpracht da: feuerwehrrot, giftgrün, königsblau, quietschgelb. Unten am Sockel tummeln sich Blumen und Hamburg-Motive: der Michel, die Wellen der Elbe, der Fernsehturm – darüber toben sich bis unters Dach sämtliche Farben des Regenbogens aus.
Rechts und links und überhaupt sehen die Stresemanstraße und die an das bunte Haus angrenzenden fünf- und sechsgeschossigen Altbauten aus dem Anfang des vergangenen Jahrunderts dagegen grauer aus als je zuvor.
Die Wochenblatt-Reporterin fotografiert und stellt fest: Jeder, der vorbeikommt und das Haus anguckt, lächelt. „Schön“ , sagt eine alte Dame und schiebt ihren Gehwagen weiter. Schön findet ihr Haus auch eine Mieterin, die das Wochenblatt aus der Sonntagsruhe klingelt. Als es losgegangen sei mit den Malerarbeiten, habe sie sich zwar erst an die bunten Farben gewöhnen müssen, aber jetzt: „Doch, mir gefällt das.“ „Mir nicht!“, wirft ihre Mitbewohnerin ein: „Ich finde es einfach grauenhaft. So Pseudo-Hundertwasser!“
Entworfen hat die Bemalung in Absprache mit dem Eigentümer des Hauses die zertifizierte Ausdrucksmalerin Eva Jürgensen, die das Wandbild am Sockel auch selbst ausgeführt hat. Was hält sie von ihrem fertigen Werk? „Ich bin zufrieden. Ich bin relativ intuitiv rangegangen und hoffe jetzt, dass das Haus Farbe in diese triste Gegend bringt. Es soll gute Laune verbreiten und die Menschen fröhlicher machen. Auch die, die hier mit ihren Autos ständig im Stau stehen - die haben jetzt was zu
gucken.“ Der Eigentümer hat selbst mitgestrichen. Sein Kommentar: „Mehr Farbe macht mehr Spaß!“
Wurden die Mieter gefragt, bevor ihre Loggien innen so knallorange ausgemalt wurden, wie es sich das holländische Königshaus nicht schöner wünschen könnte? Und überhaupt: Wie sind die Reaktionen der Hausbewohner? Verwalter Andreas Noack: „Nein, die Mieter wurden vorher nicht gefragt. Und bis jetzt hat sich keiner gemeldet, weder mit positiven noch mit negativen Bemerkungen. Ich weiß aber, dass wir schon als Ortsangabe gebraucht werden. Man sagt nicht mehr: hinter der Harkortstraße oder an der Kreuzung oder vor der S-Bahn-Brücke, sondern: vor oder hinter dem bunten Haus.“

Darf man das?
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Aber was sagt das Gesetz? Darf man sein Haus so streichen, wie man will? Nachgefragt im Bezirksamt. Sprecher Martin Roehl: „Wie so oft, lautet die Antwort: Ja, aber. Außenwandanstriche nach Hamburger Bauordnung bedürfen, mit der Ausnahme bildlicher Darstellungen, keiner Genehmigung – außer wenn der Anstrich verunstaltend wirkt, es sich bei dem Objekt um ein Denkmal oder einen Denkmalbereich handelt oder es im Bereich einer städtebaulichen Erhaltungsverordnung oder einer Gestaltungsverordnung liegt. Bei der Stresemannstraße 218/220 traf keines dieser ‘Aber’ zu.“

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