Große Kunst an der Thedestraße

Gemeinsam malen: Schlumper und Altonaer Grundschüler im Unterricht. Foto: Archiv Schlumper

Seit 20 Jahren zeigen Schlumper Altonaer Grundschülern, wie man Kreativität lernen kann.

Von Reinhard Schwarz. Ein Gesamtkunstwerk in einem ansonsten zweckmäßig gehaltenen Schul-Treppenhaus: Fünf Meter hoch ist es und aus 35 einzelnen Bildern zusammengesetzt. Gemalt haben es Grundschüler der Louise Schroeder Schule und die Schlumper. Das Besondere: Bei den Schlumpern handelt es sich um eine Gruppe von Menschen mit Behinderungen, die ursprünglich – daher der Name – am Schlump wirkte. Ihre Werke erzielen auf dem Kunstmarkt mittlerweile Preise im vierstelligen Bereich.
Wenn die Schüler malen wollen, müssen sie nur auf die andere Straßenseite in das Atelier der Schlumper in der Thedestraße gehen. Das gemeinsame Malen gehört zum Unterricht – seit nunmehr 20 Jahren, woran nun die neue Wandgestaltung im Treppenhaus der Louise Schröder Schule erinnert, die kürzlich feierlich mit einem Geigen- und Bratschenkonzert der Viertklässler eingeweiht wurde.

„Einfach drauflos malen!“, lautet die Devise

„Unser gemeinsames Schaffen mit den Schlumpern ist für uns auch die Kernzelle der Kulturschule Louise Schroeder. Die Kinder erleben sich als außerordentlich kreativ“, sagt Schulleiter Michael Rieger. „Die Schüler gehen unverstellt an die Staffelei ran, die haben da keine Hemmungen.“ In der Begegnung mit den malenden Erwachsenen würden „Begabungen anders angesprochen als in der Schule“, verdeutlicht Rieger. Johannes Seebass, künstlerischer Leiter der Schlumper, ergänzt: „Die Kinder dürfen einfach so drauflos malen.“

Gemeinsame Arbeit als Geben und Nehmen

Die gemeinsame Arbeit sei ein Geben und Nehmen, so Schlumper Bernhard Krebs (64): „Die Kinder fragen mir Löcher in den Bauch. Ich erkläre ihnen dann, wie ich male, wie ich etwas gestalte. Aber sie geben auch Ideen. Von denen haben sie sehr viele, auch wenn man denen nicht immer folgen kann.“
Den Altonaer Grundschülern scheint der etwas andere Unterricht Spaß zu machen. „Ich finde es einfach toll, dass man hier Kunst machen und immer herkommen kann, wenn es geöffnet ist“, sagt Peter (10). „Hier gibt es Bilder, die eigentlich kein Mensch malen kann“, urteilt Melina (10). Und Kalle meint: „Mir gefällt am besten, dass wir hier machen können, was wir wollen.“ Besonders stolz ist der Neunjährige auf sein selbst gebautes und bemaltes Skateboard.

Kulturschule

Die Kooperation mit den Schlumpern begann vor 20 Jahren, als die heutige Louise Schroeder Schule noch Schule Chemnitzstraße hieß. 2008 zog die Schule in einen Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Bruno-Tesch-Gesamtschule. Musik und Kunst spielen in der „Kulturschule“ eine große Rolle. So können Mädchen und Jungen im Rahmen der Aktion „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi) Geige lernen. RS
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