Große Koalition im Sportstättenbau in Altona!

Sichtlich erfreut beglückwünschten sich nach erfolgter Abstimmung der SPD-Antragsteller und sein CDU-Kollege zum Ergebnis. Angenommen wurde in einer seltsamen Koalition von SPD und CDU ein Antrag für einen "Pilotprojekt Hybridrasen kann Ersparnisse für alle Bezirke bringen".
Dabei geht es um eine Novität im Sportstättenbau, bei dem der Belag aus einem Natur- und Kunstrasengemisch besteht. Mit geschönten Zahlen - eine Internetrecherche ergab deutlich andere als die im SPD-Antrag genannten - wurde hier im Jargon einer Hersteller-Firma für diesen neuen Belag geworben.
Zufällig liegt der Sportplatz, der mit diesem neuartigen Belag gesegnet werden soll, im Wahlkreis des Antragstellers und seines Unterstützers aus der CDU.
Wohl weniger zufällig wurden für Sinnhaftigkeit eines solchen Unterfangens nahezu aus-schließlich Argumente aus einem "Informationsgespräch" mit dem Hersteller dieser neuen Böden angeführt.
Demgegenüber zur Seite geschoben wurden Argumente, es gäbe in der Verwaltung auf Lan-des- und Bezirksebene Fachämter, die vor Beschluss mit ihrer Expertise in die Beratungspro-zesse sinnvollerweise hätten eingebunden sein müssten. Immerhin geht es hier um einen ungedeckten Scheck auf die Kosten insb. der Wartungs- und Unterhaltungskosten.
Zur Sache: Sicher existieren in Hamburg noch nicht genügend Rasen-, bzw. Kunstrasenplätze. Allerdings existieren in den zuständigen Ämtern Entwicklungspläne für die Verände-rung/Verbesserung der Situation - sicher auch durch Haushaltsengpässe nicht für alle Bedar-fe in wünschenswertem Umfang. Aus folgenden Gründen aber ist der Altonaer Vorstoß kein Schritt in die richtige Richtung, sondern eher ein Stolperstein und eine Kostenfalle.
Hybridflächen sind noch nicht genügend unter hoher Belastung erprobt. Einige Erstligaclubs im In- und Ausland testen sie gerade. Allerdings unter Bedingungen, die z.B. mit einer Nut-zung in Altona (bis über 30 Mannschaften für Training und Spiel) überhaupt nicht vergleich-bar sind. Für die in Altona vorfindbaren Belastungen ist der Belag nicht ausgelegt.
Kunstrasenplätze sind nicht nur wegen der höheren Strapazierfähigkeit, längerer Lebens-dauer und geringerer Unterhalts- und Pflegkosten seit Jahren erprobt und werden weiter entwickelt. Die Kosten für den Bau eines Kunstrasen- oder Hybrid-Platzes unterscheiden sich nicht so eindeutig, wie im Antrag an die Bezirksversammlung dargestellt. Höhere Betriebs-kosten eines Gemischs aus Natur- und kunstrasen (Rasenpflege, Maht, Wässern, Nachsaat und dafür einzuhaltende Nicht-Nutzungszeiten) sind werden entstehen - eine Verdoppelung ist nicht ausgeschlossen. All das wurde in der Sitzung der Bezirksversammlung nicht einmal thematisiert.
Es wurde vielmehr der Verdacht genährt, die relative Unwissenheit der Bezirksversammlung in diesen Fachfragen sollte mit blumigen Phrasen über "Sportfreundlichkeit" übertüncht werden, um schnell zu einem Beschluss zu kommen - was ja zur beschriebenen Freude der beiden Akteure gelang.
Dieser Beschluss ist aber durchaus nicht im Sinne "des Sports", weil hier ein Pilotprojekt oh-ne exakte Analyse, genaue Kalkulation der Kosten und insbesondere der Folgekosten auf den Weg gebracht werden soll. Es ist unschwer zu prognostizieren, dass hier Gelder ungenau geprüft ohne Einbeziehung von Fachexpertise ausgegeben werden sollen (wer hat aus wel-chen Gründen eigentlich ein derart gesteigertes Interesse daran?), die sich im Ergebnis letz-tlich als Fehlinvestition erweisen und so dem Sport wieder fehlen werden. Nicht zuletzt: warum muss in Altona gerade jetzt in (Vor-)Wahlzeiten ein solch kostenträchtiges Projekt ohne Absprache und Koordination mit den fachlichen Ressourcen der gesamten Stadt und ohne die sorgfältige Auswertung von Erfahrungen anderer Städte durchgeboxt werden?
Hier droht ein weiteres Beispiel für einen leichtfertigen, fachlich schlecht bis unbegründeten Umgang mit öffentlichen Geldern. Über die Gründe und Motive des Antrags mag trefflich spekuliert werden.
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