Gift im Trinkwasser

Nicole Morgenstern am Wasserhahn in ihrer Küche. Mittlerweile wurde ein Ventil ausgetauscht, das vermutlich Ursache war für die Verunreinigung des Trinkwassers mit einer Phenol-Verbindung. (Foto: rs)

Saga-Mieterin, Mutter zweier Kinder, forderte Aufklärung über Messwerte im Wasser und wurde drei Monate lang hingehalten

Von Reinhard Schwarz.
Leitungswasser, das plötzlich komisch riecht und
schmeckt, und Verantwortliche, die sich in Schweigen hüllen? Nicole Morgenstern, Mieterin einer Saga-Wohnung am Hohenzollernring, ist auf das städtische Wohnungsunternehmen nicht mehr gut zu sprechen. Alles begann damit, dass im November in den Saga-Häuserblocks die Bleirohre durch andere Materialien ersetzt wurden. Eigentlich eine vernünftige Maßnahme, doch dann stellte die Mutter zweier Kinder fest: „Das Wasser schmeckte widerlich.“
Sie berichtete dem zuständigen Bauleiter davon. Der beschwichtigte, meinte, die neuen Wasserleitungen seien noch nicht durchgeprüft. Doch der eklige Geschmack des Wassers blieb. Nicole Morgenstern meldete das insgesamt „viermal in sechs Wochen“ dem Bauleiter. Doch der nahm sie nicht ernst - nichts geschah.
Schließlich wandte sie sich an Hamburg Wasser. Das städtische Versorgungsunternehmen ließ nach Neujahr Proben an verschiedenen Stellen nehmen. Ergebnis: Das Wasser aus dem Leitungshahn in der Küche war offenbar nicht in Ordnung. Ein Mitarbeiter von Hamburg Wasser sagte ihr „im Vertrauen“ am Telefon, dass im Küchenwasser Spuren von Isopropylbenzol gefunden wurde – ein krebserregender Stoff. Offiziell wurde sie über dieses Ergebnis aber nicht informiert.
Morgenstern verlangte nun Aufklärung über die Gefährdung für sich und ihre Kinder. Fehlanzeige. Die Beteiligten weigerten sich, die Daten herauszugeben. Nach langem Hin und Her und unter Einschaltung eines Anwalts erhielt sie schließlich im Februar - ein Vierteljahr nach ihrer ersten Meldung beim Bauleiter - ein Schreiben der Saga, in dem ihr die Werte von zwei Messungen mitgeteilt wurden.
Ergebnis: Das Küchenwasser war tatsächlich mit Isopropylbenzol verunreinigt - allerdings nur mit winzigsten Mengen. In einem Schreiben des Labors heißt es, „...dass keine gesundheitlichen Folgen aus dem Verzehr des betreffenden Trinkwassers abgeleitet werden können“. Das Wasser sei unbedenklich. Mittlerweile wurde ein „Eckventil“, möglicherweise Ursache der Verunreinigung, ausgetauscht.
Morgenstern ist enttäuscht: „Ich habe die Arbeit geleistet, die eigentlich Aufgabe der Saga war. Ich fühlte mich im Stich gelassen.“

Auskunft von Saga-Sprecher Dr. Michael Ahrens: „Alle Werte der untersuchten Standardparameter lagen unter der Nachweisgrenze beziehungsweise Bestimmungsgrenze. (…) Gefunden wurde ein Stoff namens Cumol (identisch mit Isopropylbenzol, d. Red.), dessen Wert bei der von HWW entnommenen Probe bei ungefähr 0,1 Millionstel Gramm pro Liter lag sowie bei circa 0,5 Millionstel Gramm pro Liter bei der von der Mieterin entnommenen Probe.“ Das sei ein äußerst geringer Wert. Fazit des Untersuchungslabors: „Es kann sicher davon ausgegangen werden, dass keine gesundheitlichen Folgen aus dem Verzehr des betreffenden Trinkwassers abgeleitet werden können.“
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