Gesucht: ein Dach für Bücher

„Die Studienbibiliothek fungiert auch als sozialer Treffpunkt“, sagen Maren Michels und Jan Borchers. Foto: cvs

Wegen Sanierung: Studienbibiliothek muss aus der Hospitalstraße ausziehen

Ch. v. Savigny, Altona

Im langen Flur der Hamburger Studienbibiliothek an der Hospitalstraße stapeln sich die Bücher buchstäblich bis zur Decke. Auf dem Fußboden stehen weitere, teils noch nicht ausgepackte Bücherkartons. „Kürzlich haben wir eine gesamte Privatbibliothek geerbt“, sagt Maren Michels, ehrenamtliche Mitarbeiterin. „30 Kartons. Das war schon krass!“ Die Aktiven von Altonas und wahrscheinlich auch Hamburgs unkonventionellster Bücherei – mit deutlicher politischer Ausrichtung nach links im Übrigen – sind stolz auf ihren Bücherbestand von inzwischen mehr als 10.000 Exemplaren. „Das geht teilweise weit über den Bestand der Staatsbibliothek hinaus“, sagt Jan Borchers, abgeschlossener Germanistikstudent und ebenfalls Mitglied im Verein „Hamburger Studienbibiliothek“.

Doch jetzt, knapp 25 Jahre nach ihrer Gründung, droht der sympathischen Einrichtung das Aus. Hintergrund: Der Besitzer möchte die Räume, die im Souterrain eines Altbaus liegen, sanieren lassen. Zum 30. Juni muss die Studienbibiliothek ausziehen.
Lachen beim „Negativen Nachmittag“
Derzeit suchen die Aktiven händeringend nach einem passenden und bezahlbaren Ersatz für 300 Regalmeter Bücher. „Gerne mit hohen Wänden und wenigen Fenstern“, sagt Michels. „Und am liebsten im Stadtteil.“
Für regelmäßige Veranstaltungen benötigt der Verein außerdem Platz für einen Sitzungstisch, eine Teeküche und möglichst auch ein oder zwei Büroarbeitsplätze. „Wenn es günstiger wird, teilen wir uns die Räume gerne mit anderen Initiativen“, so Maren Michels weiter.
Entstanden ist die Studienbibiliothek Anfang der 1990er- Jahre aus einer Arbeitsloseninitiative. Etwa 60 Mitglieder hat der Verein aktuell, der sich ausschließlich über Vereinsbeiträge und Spenden finanziert. Der Bücherbestand umfasst unter anderem die Sachgebiete Antisemitismus, Nationalsozialismus, Feminismus und Psychoanalyse.
An zwei Nachmittagen pro Woche (mittwochs und donnerstags von 17 bis 20 Uhr) können Interessenten zum Stöbern vorbeikommen. Regelmäßige Veranstaltungen wie etwa der „Negative Nachmittag“ laden zum gemeinsamen Diskutieren ein. Ernst muss es dabei nicht immer zugehen. „Es darf auch gelacht werden“, sagt Michels.

Kontakt
Hamburger Studienbibiliothek, Hospitalstraße 85,
Tel. 18 99 08 00
hsb@studienbibliothek.org
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