Geschichte lebendig machen

Die Spätberufene: „In der Schule fand ich Geschichte total öde“, sagt Frauke Steinhäuser. Foto: cvs

Die Spätberufene: „In der Schule fand ich Geschichte total öde“, sagt Frauke Steinhäuser. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Ottensen

Die Frage, warum sie diese Stelle angetreten hat, stellt sich Frauke Steinhäuser eigentlich gar nicht: „Es hat alles gepasst“, sagt sie. Im Januar dieses Jahres hat die studierte Bibliothekarin und Historikerin die Geschäftsführung des Stadtteilarchivs Ottensen übernommen. Ein echter Glücksfall, findet Steinhäuser. „Die Vermittlung von Wissen hat mich schon immer gereizt“, berichtet sie.
Dabei fand die neue Leiterin, die in Billstedt großgeworden ist, das Fach Geschichte in der Schule sogar ziemlich öde. Erst durch ihren Ehemann – von Beruf ebenfalls Historiker – und durch ein gemeinsames Projekt zum Thema „Stolpersteine“ für die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel stellte Steinhäuser fest, dass historisches Wissen – insbesondere, wenn es um Sozial- und Stadtteilgeschichte geht – unheimlich spannend und lebendig sein kann.

„Ich habe einen Lebenslauf, in dem sich alles, was ich hier habe, wiederfindet“, sagt sie und verweist auf frühere Tätigkeiten als Autorin, Layouterin und Fachjournalistin. Obwohl bereits drei Monate seit ihrem Einstieg vergangen sind, ist die neue Stadtteilarchivarin noch immer dabei, das Inventar zu sichten. „Wir sind sind eigentlich viel mehr als nur ein Archiv“, stellt Steinhäuser fest.
Ihr Plan: Den Schiffspropeller ausstellen
Denn das Stadtteilarchiv besteht zwar im Wesentlichen aus einer umfangreichen Sammlung zur Sozial- und Industriegeschichte Ottensens. Doch darüber hinaus kann man in der ehemaligen Werkhalle im Erdgeschoss zum Beispiel eine alte Drahtstiftmaschine besichtigen, die immer noch funktioniert. Oder auch eine Bügelsäge, eine Hobelmaschine und eine Standbohrmaschine, die durch einen raffiniert ausgeklügelten Riemenmechanismus angetrieben werden. Viel gesammeltes Zeug liegt außerdem herum: eine alte Nähmaschine, mehrere dicke, schwere Seekisten, ein Schiffspropeller von einem Großtanker.
„Mein Plan ist, das alles irgendwann mal auszustellen“, sagt Steinhäuser. Und ein bisschen Ordnung machen in den Bücherregalen will sie. „Inventarisieren und verschlagworten, damit sich der Besucher künftig besser zurechtfindet.“ Dies sei allerdings aufwendig und werde sicher noch seine Zeit dauern.


Das Stadtteilarchiv Ottensen wurde 1980 gegründet und ist damit das älteste seiner Art in Hamburg. Geöffnet ist die Einrichtung an drei Tagen pro Woche sowie nach Vereinbarung. Darüber hinaus veranstaltet das Archiv Ausstellungen und themenbezogene Stadtteilführungen. Die bisherige, langjährige Leiterin Brigitte Abramowski war im Dezember in den Ruhestand gegangen und arbeitet jetzt ein paar Stunden pro Woche in Teilzeit mit.
❱❱ www.stadtteilarchiv-
ottensen.de cvs
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.