„Genügsam werden? Niemals!“

Michael Wendt erinnert sich an die ersten Gespräche, die er führte, um das große Altonaer Stadtteil-Kulturfest ins Leben zu rufen: „Von den meisten ging ich weg mit dem Gefühl: Die finden das Projekt abenteuerlich und nicht umsetzbar“.

Er hat die Altonale 1999 gegründet und war ihr erster Geschäftsführer: Interview mit Michael Wendt.

Michael Wendt (57) ist der Vater der Altonale, ihr Initiator und erster Geschäftsführer. Von Anfang an dabei, weiß er alles über dieses einzigartige Stadtteil-Kulturfest, über seine Geschichte, seine Schwierigkeiten, über Querelen hinter den Kulissen und die großen Glücksmomente.

Sie werden bezeichnet als „graue Eminenz der Altonale“ Was heißt das?
Beobachter, Begleiter und Ratgeber, Vermittler zwischen denen, die Ideen entwickeln und denen, die sie verwirklichen. Der Ansatz ist dabei immer: sich gerne auf die Wurzeln der Altonale besinnen, aber nie aus Prinzip an Dingen festhalten, nur weil es immer so war. Nur neue Projekte starten neue Dynamiken, nur durch Neues kann eine Großveranstaltung wie die Altonale nachhaltig werden.

Wie begann es eigentlich?
In der „Motte“ (Stadtteilkulturzentrum in Ottensen. Michael Wendt ist Geschäftsführer. Anm. d. Redaktion). Wir waren damals im wahrsten Sinn des Wortes eingemottet, selbstzufrieden. Hatten keine Kraft in der Entwicklung von Initiativen. Mir war klar: Wir mussten raus, weg vom Haus, selbstständige Aktionen in Gang bringen, ein Netzwerk aufbauen, neue Wirkungsbereiche schaffen. Die Frage lautete: Wie kommen wir an neue Menschen ran? Die Antwort: Wir machen ein großes Projekt, jeder kann geben und nehmen, auch Menschen, die ganz anders denken und handeln als wir. Freizügigkeit und Liberalität waren das Motto.

Was hieß das praktisch?
Im ersten Dreivierteljahr habe ich mehr als 120 Besuche von jeweils ein bis zwei Stunden gemacht und Gespräche geführt. Von den meisten Gesprächen ging ich mit dem Gefühl weg: Die finden das Projekt „Altonale“ abenteuerlich und nicht umsetzbar.

Gibt es Sorgenkinder der Altonale?
Ja, die gibt es. Zum Beispiel die Straßenparade STAMP. Die hätte von Anfang an von der Stadt gefördert werden müssen. Mit STAMP wäre ein Bild von Weltoffenheit und Freiheit entstanden, das Hamburg gut zu Gesicht gestanden hätte, STAMP in der HafenCity – das hätte gut gepasst. Da ist eine Chance verpasst worden. Jetzt droht STAMP die Luft auszugehen.

Gefahren für die Altonale?
Nur eine: die Gefahr, dass man in der Begeisterung etwas zu groß plant und einem die eigenen Ansprüche dann auf die Füße fallen, weil es viel zu viel kostet.

Da könnte man doch gleich kleiner planen?
Kleiner und genügsam werden? Niemals! Quantitativ hat die Altonale vielleicht ihre Grenzen erreicht – was die Qualität angeht, nie! Wenn Leute sagen – und diese Reaktion war vor allem in den ersten Jahren häufig: „Ihr seid zu groß“, dann sag ich darauf: „Da musst du dich dran gewöhnen. Du kriegst eben nur zwei Prozent des Festes mit – die anderen 98 Prozent passieren ohne dich.“ Aber genau das ist ein Ausdruck von Vielfalt, von Möglichkeiten zur Entfaltung.

Ihre Lieblingsveranstaltung auf der Altonale?
Das Straßenfest. Schlendern auf dem Straßenfest – das ist für mich das Schönste. Orte der Ruhe mitten im Trubel finden. Ich liebe den Mittelaltermarkt neben der Christianskirche, seine Gerüche und die Musik, die Wiese in der Sonne ...


Die Altonale 17 läuft. Das größte Stadtteil- und Kulturfest Hamburgs bietet seit dem 19. Juni in Ottensen und im Altonaer Kerngebiet Theater, Musik, Tanz, Lesungen, Kunst und Party. Info und Tickets sind in der Infobox auf dem Spritzenplatz zu haben. Die Altonale endet am Wochenende 4./5. Juli mit dem großen Straßenfest zwischen Friedensallee und Neuer Großer Bergstraße.
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